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Menorah · 1926-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1926) · p. Seite 351

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1926)
Article
Jüdische Eigenart und moderne Biologie
Date
1926-06-01
Page
Seite 351 (sequence 4)
Language
German
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JÜDISCHE EIGENART UND MODERNE BIOLOGIE 351 daß von je 100 am gleichen Tag in Amerika Geborenen die Hälfte der Amerikaner im Alter von 47 Jahren stirbt, die Hälfte der Juden aber erst mit 71 Jahren. Zweifellos spielt sowohl bei der erhöhten Geburtlichkeit wie bei der geringeren Sterblichkeit die Konzentrierung der Juden auf das Familienleben eine bedeutende Rolle. Die Familie ist der zentrale biologische Kern, von dem aus die mannigfaltigsten Probleme ihre befriedigende Erklärung finden. Da die biologischen Gesetze für gesunde und krankhafte Zustände in gleicher Weise gelten, so werden wir den Gedankengängen bei der Besprechung der Pathologie der Juden immer wieder begegnen. Denn Krankheit ist der Zustand eines Organismus an der Grenze der Anpassungsfähigkeit. Gesundheit und Krankheit gleiten oft unmerklich ineinander über, sie sind ihrem Wesen nach nicht voneinander verschieden. Zum Ausbruch der Krankheit ist das Zusammentreffen verschiedener Ursachen, beziehungsweise Bedingungen notwendig. Diese können im Organismus selbst liegen, in seiner Konstitution als der Ausdruck ererbter Faktoren, sie können von außen in Form von Schädlichkeiten an den Organismus herankommen, oder wie es meist der Fall sein wird, die verschiedenen Bedingungen treffen gleichzeitig aufeinander. Von vornherein ist nicht recht ersichtlich, warum die Juden unter gleichen Lebensbedingungen nicht in gleicher Weise den Krankheiten verfallen sollten wie alle übrigen Menschen. Wenn sich nun aber doch Besonderheiten zeigen, so ist es unsere Aufgabe, eine Erklärung zu finden. Meist kommt es darauf hinaus, daß die Lebensbedingungen eben nicht die gleichen waren. Wo dies der Fall ist, müssen wir im konstitutionellen Aufbau, in dem sich die ganze Ahnenreihe widerspiegelt, die Ursache finden, ohne daß es uns heute schon gelingt, das Wesen dieser Konstitution aufzudecken. Insbesondere haben die Vererbungsgesetze vielfach Licht in das Dunkel gebracht. Für die spezielle Pathologie der Juden liegt ein großes, gut beobachtetes Material vor, das zum Teil innerhalb der Ausstellung „H ygiene der Juden" der „Gesolei" Düsseldorf seine bilti che Darstellung und ansprechende Gestaltung erhalten hat. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, daß die Zahlenangaben Sei verschiedenen Krankheiten ganz verschiedene Bedeutung haben. Man muß wissen, ob sie die Morbidität, die Mortalität oder die Letalität zum Ausdruck bringen wollen. Da wir eine Krankheitsstatistik noch nicht haben, handelt es sich meist um Sterbeziffern, die der Einheitlichkeit wegen auf 10.000, beziehungsweise 100.000 der jeweiligen Bevölkerung bezogen werden sollen. Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß die Mitteilungen über die angebliche Immunität der Juden des Mittelalters gegen gewisse Seuchen (Pest, Pocken usw.) völlig wertlos sind. Wenn aber in neuester Zeit aus den verschiedensten Ländern eine geringere Sterblichkeit der Juden an Abdominaltyphus, Pocken, Ruhr, Cholera, sogar an Grippe berichtet wird, also an „übertragbaren" Krankheiten (nicht „erblich" wie es im Sprachgebrauch immer noch heißt), ferner mit

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