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Menorah · 1926-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1926) · p. Seite 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1926)
Article
Jüdische Eigenart und moderne Biologie
Date
1926-06-01
Page
Seite 350 (sequence 3)
Language
German
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350 MENORAH Zweierlei kommt in dieser Tabelle besonders zum Ausdruck: Die Umgruppierung der Juden zwischen Europa und Amerika und die beträchtliche zahlenmäßige Zunahme in dem kurzen Zeitraum von 1897 bis 1925. Die verschiedenartige körperliche Entwicklung in verschiedenen Kontinenten ist biologisch bedeutsam. Der Jude Weißrußlands erreicht kaum das europäische Mittelmaß von 162 cm. Die Nachkommen dieser russischen Juden in Amerika entwickelten sich unter oft auch nicht guten Bedingungen zu großen stämmigen Menschen. Man muß also annehmen, daß dieser ursprünglich kleine Wuchs nichts den Juden „raßlich'6 Eigenes darstellt, sondern nur die Kümmerform einer größeren Anlage ist. Also nicht eine degenerative, nicht mehr zu bessernde Erscheinung, sondern nur eine dekadente, der besseren Entfaltung fähige. Dieses eine Beispiel zwingt wieder zur Forderung, Ergebnisse, an einem Teil der Juden gewonnen, nicht ohneweiters auf alle zu übertragen. Es gibt wohl kaum eine zweite derartige Möglichkeit, an einem und dem gleichen Stamm solche Milieuwechselstudien im großen vorzunehmen. Die Zerstreuung der Juden über die ganze Welt und ihre Anpassung an alle Länder ist eines der hervorragendsten Kennzeichen ihrer Vitalität. Die Juden leben und vermehren sich in fast allen Teilen der Welt, und zwar ohne Ergänzung von außen her. In Deutschland ist das zwar nicht mehr der Fall. Die scheinbare Zunahme bis 1920 ist auf Zuwanderungen zurückzuführen. Die Zählung 1925 hat für Bayern ergeben, daß die Zahl geringer ist als 1875. Die Zahl der Juden in der ganzen Welt aber hat, wie wir oben gesehen haben, zugenommen. Diese Zunahme resultiert aus drei Faktoren: einer hohen Fruchtbarkeit und Geburtlichkeit, einer geringen Sterblichkeit und einer scheinbaren Zunahme durch statistische Erfassung von Juden, die bisher der Zählung entgingen, was allerdings nicht von so großer Bedeutung ist. Da wir Einzelzahlen hier nicht geben wollen, genügt der Hinweis, daß die Geburtenzahlen bei den bayrischen Juden in den letzten 30 Jahren ungefähr ein Drittel der nichtjüdischen betrug, in außer deutschen Ländern aber zum Teil mit 30 bis 40 Prozent die Geburtlichkeit der Nichtjuden weit übersteigt. Besonders ist die Zahl der Totgeburten bei den Juden gering. Bei der Erörterung der Fruchtbarkeit ist daran zu erinnern, daß sie natürlich alle von Jüdinnen Geborenen und von jüdischen Männern Gezeugte umfaßt, gleichgültig ob sie in nicht jüdischen Mischehen oder sonstwo geboren werden. Auf die Erörterung der biologisch äußerst wichtigen bevölkerungsstatistischen Fragen (Heiratsalter, Kinderzahl, Uneheliche, Mischehe und Taufe usf.), wie es Verfasser a. O. für die Juden Deutschlands getan hat, muß hier verzichtet werden. Ebensowenig kann auf eine Reihe von soziologischen Fragen, die Auswirkungen der Berufswahl usf. hier eingegangen werden. Nachweislich gering ist bei den Juden die Sterblichkeit. Angefangen mit der geringen Kinder-, beziehungsweise Säuglingssterblichkeit bis zur hohen Langlebigkeit. Das ist auf dem europäischen Kontinent so und für Amerika hat R i p 1 y diese Eigenart dahin formuliert,

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