Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Die Ethnographie der Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 337 (sequence 4)
- Language
- German
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DIE ETHNOGRAPHIE DER JUDEN 337 legen will. Das „Ariertum" König Davids und Jesus von Nazareth ist nichts als eine Fabel. Nirgends ist in der Uberlieferung ein Beweis für eine solche Theorie aufzufinden. Waren wirklich schon blonde und blauäugige Juden im alten Palästina in nennenswerter Anzahl vorhanden gewesen, so müßte man ihren Spuren bei allen jüdischen Stämmen der Erde begegnen. Das ist aber nicht der Fall. Das hellfarbige Element ist bei den Juden in größerer Menge nur da vertreten, wo auch die übrige Bevölkerung hellfarbig ist, also im nördlichen Europa. Außer dem schon erwähnten Umstand, daß den Juden hier (wie überall) viel fremdes Blut zugeflossen ist, mag auch die Anpassung, teils ungewollt (durch klimatische Einflüsse), teils gewollt (bei der Auswahl des Ehegatten), zu dieser Entwicklung der jüdischen Bewohner Nordeuropas beigetragen haben. Eine mehr oder minder große Anähnlichung — je nach der Bewegungsfreiheit des jüdischen Elementes — beobachten wir überhaupt an allen Stellen der Erde, wo sich Juden angesiedelt haben und nicht durch dauernde Zuwanderung immer wieder aufgefrischt worden sind. Das frappanteste Beispiel für diese Angleichung an das Wirtsvolk sind die Juden Chinas, die etwa im 6. Jahrhundert n. Chr., wahrscheinlich von Persien aus, dorthin einwanderten, bald in allen größeren Handelsplätzen ansässig wurden und zu Reichtum und Einfluß gelangten. Solange der Seidenhandel von China über Land durch Ostturkestan nach Vorderasien und von da nach Europa ging, blieben die Juden einer seiner Vermittler und standen dadurch in dauernder Verbindung mit ihren Glaubensgenossen in Persien und Zentralasien. Als aber im Jahre 1498 der Seeweg nach Ostindien entdeckt wurde und der Handel andere Wege einschlug, da gingen die Beziehungen der chinesischen Juden zu ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern ganz verloren und selbst die Kunde von ihnen erlosch vollkommen. Die christlichen Missionäre des Jesuitenordens mußten die chinesischen Juden im 17. Jahrhundert neu entdecken. Inzwischen waren sie freilich sehr zusammengeschrumpft und nur noch in einer Stadt, Kaifeng-fu in der Provinz Honan, in einer größeren Gemeinde vereint. Ihren Glauben hatten sie noch bewahrt, waren aber sowohl äußerlich, in der Körpergestalt und der Kleidung, wie in der Sprache und den Der Stuhl des Moses" im jüdischen Tempel von Kai-feng-fu Nach einer Zeichnung aas dem Jahrei.725 A.us Sigm. Feist: Stammeskunde der Juden