Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Die Ethnographie der Juden
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 336 (sequence 3)
- Language
- German
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336 MENORAH Hand gibt. Auch von dem ferner gelegenen Ägypten kamen Frauen und wohl auch Sklaven und Sklavinnen zur Zeit der Blüte des jüdischen Reiches nach Palästina. Es folgt das Exil in Babylon, von wo bei der Rückkehr auch heidnische Frauen mitgenommen wurden, die hellenistische Zeit, die Griechen (Syrer) ins Heilige Land führte, ferner die ausgedehnte Diaspora in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten, die durch zahlreiche Ubertritte den Juden außerordentlich viel fremdes Blut zuführte. Schließlich waren die Juden im ganzen Römerreich verbreitet und übten überall, im Gegensatz zur späteren Gewohnheit, eine lebhafte propagandistische Tätigkeit für ihren Glauben aus (das christliche Missionswesen zur Apostelzeit ist nach dem Vorbild des jüdischen geschaffen). In der Apostelgeschichte des Neuen Testaments wird uns erzählt, wie alle die Proselyten aus Kleinasien und Mesopotamien, aus Medien, Arabien und Ägypten, aus Lybien und Kreta zum Pfmgstfest nach Jerusalem zogen. Aber im großen ganzen standen die meisten fremdartigen Elemente, die dem Judentum aus dem Gebiet des Mittelmeeres zuströmten, rassenhaft dem semitischen Zweig der mittelländischen Menschen nicht fern, wenn wir von dem Negerblut, das durch den uralten Handel mit schwarzen Sklaven auch zu den Juden kam, zunächst absehen. Anders wurde die Sachlage, als sich die nordeuropäischen Länder zu Beginn des Mittelalters den Juden eröffneten. Während die Menschen in Südeuropa zumeist von dunkler Haarfarbe und bräunlichem Teint sind, herrscht in Nordeuropa helle Haarfarbe und weiße Haut vor. Es konnte nicht ausbleiben, daß als Folgeerscheinung der Ausbreitung der Juden über die nördlichen Länder, wo die Übertritte zum Judentum ebenfalls zu allen Zeiten vorkamen, die helle Komplexion bei den dortigen Juden auftrat. Zumal in Südrußland und dem angrenzenden Galizien ist sie besonders häufig. Man führt diese Erscheinung darauf zurück, daß im 8. Jahrhundert n. Chr. ein tatarisches Volk, die Chasaren, von ihrem König und dem Adel geführt, zum großen Teil den jüdischen Glauben annahmen. Das Ghasarenreich wurde freilich kurz nach 1000 n. Chr. von den Russen vernichtet; aber das dem Judentum zugeflossene tatarische Blut soll sich noch heute in den zehn Prozent blonden und helläugigen südrussischen Juden und den nicht selten bei ihnen auftretenden mongolischen Zügen (Hervortreten der Backenknochen und schräge Augenstellung) bemerkbar machen. Daß die blonden und blauäugigen Juden in Europa irgendwie in Zusammenhang mit der dortigen gleichartigen Bevölkerung stehen müssen, ergibt sich daraus, daß solche hellfarbige Juden in anderen Teilen Europas, Asiens und Afrikas nur höchst selten angetroffen werden. In Nordafrika auffallenderweise in etwas größerer Zahl da, wo auch die einheimische Bevölkerung solche Elemente aufweist. Man darf freilich nicht übersehen, daß hellfarbige aschkenasische Juden schon im Mittelalter weithin gewandert sind (bis nach Indien hin) und ihren Typus dahin verpflanzt haben können. Es ist also eine unbewiesene Annahme, wenn man die blonden Juden in das Altertum, ja bis in die Urzeit der Israeliten zurückver-