Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Religion und Gesundheit
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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RELIGION UND GESUNDHEIT 331 REMBRANDT / DIE SYNAGOGE hauptsächlichstes Symptom war eine entsetzliche Rastlosigkeit. Er konnte keine Ruhe mehr finden. Er tat alles, um sich abzulenken, er ging ins Theater, er ging ins Kino, er besuchte das Gotteshaus, er machte Ausflüge, aber nirgends wurde er seine Sorgen los. Er war nur körperlich anwesend, seine Gedanken vermochte er nicht zu konzentrieren, nicht auf das Gebet, nicht auf das Spiel auf der Bühne oder der Leinwand, nicht auf die Natur. Den Sonntagvormittag verbrachte er in seinem Kontor. Zu tun gab es hier zwar nichts, aber er starrte wenigstens die Wände an. Seine furchtbare Nervosität ging endlich in völlige Geisteszerrüttung über. Er ist im Irrenhause gestorben. Hätte er seinen Schabbos gehabt, dann wäre er vielleicht nicht so jammervoll zugrunde gegangen. Der strikte Gehorsam gegen das Gebot der völligen Ruhe hätte ihn, selbst gegen seinen kranken Willen, wenigstens für vierundzwanzig Stunden seiner gewohnten Gedankenwelt entzogen. Darin liegt der Segen, der in diesen Satzungen ruht. Sie sind nicht von uns selber geschafTen, nicht willkürlich von uns angenommen, sondern uns gegeben. Daher schalten sie unseren Willen und unser Ermessen aus und führen uns zu einem Ziele, zu dem wir von selber nicht gegangen wären. Sie sind unsere stärksten Stützen, von außen her uns gereicht und dennoch im Einklang mit unserem tiefsten inneren Wesen. Denn im Gehorsam gegen sie erweist sich bald die Wahrheit von Moses Wort: „Dieses ganze Gebot, das ich dir heute gebiete, ist nicht wunderbar für dich und nicht ferne. Es ist nicht im Himmel, daß du sagen könntest: wer steigt in den Himmel hinauf und holt es uns, daß wir es hören und es ausführen, und nicht jenseits des Meeres, daß du sprächest: wer fährt übers Meer und holt es uns, daß wir es hören und ausführen. Sondern nahe ist dir dieses Wort gar sehr, daß du es mit deinem Munde und in deinem Herzen ausführest31)," Diese Tatsache macht nicht nur das Sabbatgebot, sondern auch die anderen Institutionen des Judentums zu einer Quelle geistiger Ruhe und Gesundheit. Es tut dem Menschen wohl, zu ge- 81) V. B. M. 30, 11 ff.