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Menorah · 1926-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1926) · p. Seite 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1926)
Article
Religion und Gesundheit
Date
1926-06-01
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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RELIGION UND GESUNDHEIT 329 längerling und Verstärkung der Krankheit ist. ,,Es darf nicht vorkommen," heißt es in einem Rundschreiben einer Krankenkasse, das soeben die Post bringt, „daß die Mitglieder lediglich deshalb zum Arzt gehen, weil sie glauben, die von ihnen eingezahlten Beträge müßten auch mindestens aus der Kasse wieder herausgeholt werden." Andere Fälle, in denen die letzte Wurzel einer leiblichen Erkrankung nicht in dem kranken körperlichen Organ, nicht im Magen, in der Lunge, in den Nerven, sondern in der Seele liegt, sind unseren Alten wohlbekannt. Sie weisen uns auf solche Erscheinungen hin und zeigen uns damit den Weg zur Erhaltung und zur Wiederherstellung der Gesundheit. „Kummer bricht die halbe Kraft des Menschen21)", sagt zweimal der Talmud. Einer seiner Lehrer, Rab, sagte bei einem Gang über einen Friedhof, neunundneunzig von denen, die hier liegen, seien am bösen Blick gestorben, und nur einer von hundert nach dem Gesetze der Natur22). Das Wort ist doppelsinnig. Vielleicht versteht es unter dem bösen Blick den Neid der anderen, an dem der Beneidete, der Glückliche, gestorben wäre. Vielleicht aber denkt es auch an den eigenen Neid, mit dem jene neunundneunzig andere, Glücklichere, betrachteten, und der ihre Seele so vergiftete, daß sie daran, starben, noch ehe die Kräfte ihres Körpers erschöpft waren. Der Talmud vertritt diese zweite Auffassung, wenn er lehrt, daß Neid, Begierde und Ehrsucht den Menschen von der Welt bringen23). Gesundheit und Krankheit der Seele hängen also mit Gesundheit und Krankheit des Leibes enge zusammen. Und darin unterscheidet sich die Gesundheitslehre des Judentums von den Systemen der Hygiene bei anderen Völkern, daß sie durch ihre Mahnungen wie durch ihre dauernden Institutionen den Menschen in erster Reihe zur Gesundheit der Seele zu erziehen sucht. Vor allem fordert sie Freude. Unerschöpflich ist sie im Preise der Freude und der belebenden Wirkung des fröhlichen Herzens. „Ein fröhliches Herz tut dem Körper wohl, aber ein niedergeschlagenes Gemüt läßt das Gebein verdorren24)/4 „Ein frohes Herz schafft ein fröhliches Antlitz, aber wo das Herz bekümmert ist, wird der Mut gebeugt25)." „Alle Tage des Trübsinnigen sind traurig, aber ein fröhliches Herz ist ein beständiges Mahl20)." Raschi erläutert den Vers, dem Fröhlichen komme jede Stunde wie ein Gastmahl vor, daraus möge man lernen, daß der Mensch mit seinem Anteil sich freuen solle. Die Freude erscheint als die Quintessenz der Religion. Im Heiligen Lande mußte der Bauer mit den Erstlingen seiner Ernte im Tempel erscheinen und dort das Bekenntnis ablegen: „Ich habe ganz so getan, wie du mir befohlen hast27)." Wer darf sich aber erlauben, ein solch stolzes und anscheinend selbstgerechtes Wort zu sprechen? Nach der Deutung des Talmud der fröhliche Mensch, denn nach ihm bedeutet es: „Ich habe mich gefreut und habe andere erfreut28)." Ein fröhliches Herz ist Quelle und Wirkung der Gesundheit. Auf diesem Gedanken beruht die Makrobiotik des Talmud. Uralt, ewig 21) Keth. 62, Ber. 58b. M) B. m. 107b. *>) Spr. d. V. IV, 21. *4) Spr. 17, 28. Spr. 15, 13. 3) Spr. 15, 16 in der Übersetzung von Mendelsobn. 27J V. B. M. 26, 14. 28) Maasser scheni V, 12.

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