Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Religion und Gesundheit
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 327 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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327 SYNAGOGE IN DÜSSELDORF Erbaut 1904 von Prof. Josef Kleesattel langt er15): „Mein Sohn, wenn du krank bist, so versäume es nicht, sondern bete zum Herrn, und er wird dich heilen." In aller Schärfe kehrt dann der Gedanke im Talmud wieder. Er berichtet, der König Hiskia habe das Buch der Heilmittel verborgen, und die Weisen hätten ihm dabei zugestimmt10). Denn die Kranken hätten sich in ihrem Leiden nicht dem Willen Gottes gebeugt, seien nicht in sich gegangen, sondern hätten auf eigene Faust Heilung gesucht. Diese Auffassung aber herrschte nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei Ärzten. Noch im elften Jahrhundert muß Ras chi17) die Ärzte zurechtweisen, die sich den Vorwurf machen, Gott schlage und sie heilten, die mithin die Behandlung des Kranken als einen Eingriff in Gottes Walten betrachteten. Entschiedenen Einspruch gegen diesen Gedanken hat Maimonides erhoben. Er erledigt ihn schlagend durch die Konsequenz, die er zieht, daß dann überhaupt jede menschliche Tätigkeit verboten sein müsse, und daß folgerichtig der Hungrige dann auch nicht essen dürfels). Der Talmud ist der gleichen Auffassung, aber er fordert, seinen Grundsätzen entsprechend, eine besondere Legitimation der ärztlichen Wirksamkeit durch ein Schriftwort, und er findet eine solche auch in der schon eingangs erwähnten Bestimmung der Thora, daß der Verletzer den Verletzten heilen lassen müsse. Durch diese gesetzliche Anordnung s.ei dem Arzte die ausdrückliche Ermächtigung zum Heilen gegeben19). Damit ist diese Streitfrage erledigt. Wer krank ist, muß zum Arzt gehen. Was aber an der somit verworfenen Auffassung richtig ist, lebt in der jüdischen Lebensweisheit zu ihrem großen Segen fort und äußert sich in dem starken Nachdruck, der auf die seelische Seite der Krankheit, auf die seelische Gesundung des Kranken gelegt wird. Der Mensch ist nicht nur ein Stück Natur, er ist auch Geist und Seele, und der Anteil der Seele beherrscht sein leibliches Leben. Daß 1T) Zu B. k. 85 a. ™) Mischnahkommentar zu Pes. IV, 9. 19) B. k. 85 a.