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Menorah · 1926-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1926) · p. Seite 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1926)
Article
Religion und Gesundheit
Date
1926-06-01
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 MENORAH Darum darf man auch nicht an einem Orte wohnen, an dem kein Arzt ist6). Bejammernswert schien das Land, dessen Ärzte an Podagra leiden, die also nicht zum Patienten kommen können7). Weilt der Arzt ferne, so kann er nicht helfen, denn „ehe der Arzt aus der Ferne gekommen ist, ist das Auge erblindets)". Aber auch die ewigen Mißstände im ärztlichen Berufe sind jener längst vergangenen Epoche schon wohl bekannt. Von nichtigen Ärzten, zu deutsch von Pfuschern, spricht Hiob9). Zu ihnen gehören Ärzte, die ihre Patienten brieflich behandeln. „Ein Arzt in der Ferne gleicht einem blinden Auge", so wird das eben angeführte Sprichwort von anderen aufgefaßt. Skeptisch steht der Talmud dem Arzte gegenüber, der kein Honorar fordert. „Ein Arzt, der umsonst behandelt, ist nichts wert", sagt er kurz und bündig10). Unantastbar scheint die Wahrheit: „Wer krank ist, soll zum Arzt gehen11)." Das Wort „Arzt" ist zu einem Attribute Gottes geworden. „Heile du mich, Ewiger, dann bin ich geheilt", betet Jeremia12). An den Wundern des menschlichen Organismus hat sich die Liebe zu Gott entzündet. Das Gebet preist den, der den Menschen mit Weisheit gebildet und der die Öffnungen und Höhlungen des Körpers geschaffen hat, auf deren ungestörter Funktion alles Leben beruht, den Arzt alles Fleisches, der wunderbar wirkt. Aber seltsam! Gerade in dieser Verklärung der Heilkunde verbirgt sich schon ein Zweifel, der gegen sie gerichtet werden kann, denn sie kann leicht mit einer Idee verbunden werden, die der Heilkunde jede Berechtigung abspricht. Die Krankheit erscheint dann nämlich nicht als ein natürlicher Prozeß, nicht als ein Lebensvorgang, sondern als ein Problem der Moral, als die Folge einer Schuld, die durch Gehorsam gegen Gottes Gebot und durch Gebet abgewendet werden kann. „Wenn du auf die Stimme des Ewigen, deines Gottes, hörst und was recht ist in seinen Augen, tust, wenn du dein Ohr seinen Geboten neigst und alle seine Gebote beobachtest, werde ich keine Krankheit, die ich über Mizrajim gebracht habe, über dich bringen, denn Ich, der Ewige, bin dein Arzt13)." Also läßt sich Gesundheit als die Folge des Gehorsams, Krankheit als die Folge des Widerspruches gegen die Gebote Gottes deuten, und demnach wäre die Krankheit kein physiologischer und kein pathologischer, überhaupt kein natürlicher Vorgang, sondern ein Eingriff Gottes, und ihre Abwendung wäre nicht Sache des Arztes, sondern der inneren Umkehr des Kranken und seines Gebetes. Auch dieser Gedanke hat im Judentum geherrscht. In einem späten biblischen Buche, der Chronik, wird der gelähmte jüdische König Asa streng getadelt14): „Auch in seiner Krankheit suchte er nicht den Ewigen, sondern er befragte die Ärzte." Gleicher Meinung ist die Spruchsammlung des Jesus Sirach. Sirach rühmt den Arzt, aber er schränkt sein Lob doch ein, wenn er fordert: „Dem Arzte gib Zutritt, denn auch ihn hat der Herr geschaffen, und er weiche nicht von dir, denn du bedarfst ja auch seiner. Zuzeiten liegt in ihren Händen das Gelingen, denn auch sie werden zum Herrn beten." Und vorher ver- «) j. Kidd. IV. 7) Waj. rabba VI. 8) B. 3c. 85a nach der Auffassung von Pieuß S. 22. °) 13,4. 10) B. k. 85 a. ") ß. m. 35b. 17, 14. II. M. 15, 26. 14) II, 16, 12. 1B) 38, 9ff. w; Mißchna Pes. IV, 9.

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