Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Religion und Gesundheit
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 325 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912860-2917724--03352-2917833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M ENORAH IV. JAHRGANG JUNI/JULI 1926 NUMMER 6/7 RELIGION UND GESUNDHEIT Von Rabbiner Dr. M. Eschelbacher Drei schwere Leiden suchen die Menschheit heim: Schuld, Armut und Krankheit. Mit ihnen liegt sie in einem unaufhörlichen, nie siegreichen, nie abgebrochenen Kampfe. In dem ewigen Ringen mit der Krankheit wird sie geführt von der Medizin und von den Ärzten. Soweit wir auch in die Vergangenheit zurückgehen, immer und überall finden wir den Arzt. Unsere Väter lernten eine hochentwickelte ärztliche Kunst in Ägypten kennen. Dort waren es Ärzte, die den Stammvater Jakob und den Josef einbalsamierten1). Ein paar Blätter nachher spricht die Heilige Schrift von den Hebammen, die die hebräischen Mütter — nicht brauchten2). Der Arzt dieser ältesten Zeit scheint im wesentlichen Chirurg gewesen zu sein. Denn in der Gesetzgebung der Bibel wird er zum erstenmal als Helfer des Verletzten bei einer Schlägerei genannt. Wenn bei einer Rauferei einer einen mit einem Steine oder mit der Faust schlägt und der Verletzte daran nicht stirbt, sondern nur bettlägerig wird, nachher wieder aufsteht und an seiner Krücke einhergeht, dann soll der Schläger straffrei sein. Nur die Versäumnis muß er dem Verletzten erstatten „und heilen, heilen muß er ihn lassen3)". Diese Bestimmung hat, wie zu zeigen sein wird, in späterer Zeit eine unerwartete Bedeutung gewonnen. Die Technik der Wundbehandlung tritt uns in dem berühmten Bilde entgegen, in dem Jesaja sein Volk mit einem Kranken vergleicht. „Jedes Haupt ist krank und jedes Herz ist siech. Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Gesundes daran. Da sind Wunde und Beule und frischer Schlag, nicht ausgedrückt, nicht verbunden, nicht mit Öl erweicht4)". Der Talmud kennt eine hochentwickelte Medizin. Über sie wie über die der Bibel sind wir durch das große Werk von Julius Preuß, „Biblischtalmudische Medizin" unterrichtet. Sorgsam und mit viel Glück hat Preuß die Volksmedizin vieler Zeiten und Völker zur Erklärung der jüdischen Heilkunde herangezogen und uns die Augen für den Sinn von Verfahren und Verhältnissen geöffnet, die uns bis dahin unverständlich gewesen waren. In der Geschichte des Judentums begegnen wir überall dem Arzt, alle Epochen unseres Schrifttums verkünden seinen Ruhm. Viele der größten Söhne des Judentums sind Ärzte gewesen, Arzt war der große Maimonides. „Ehre deinen Arzt, ehe du ihn brauchst5)", fordert darum das talmudische Sprichwort. ') I. B. 3M. 50. 2) II. B. M. 1, 16. 8) II. B. M. 21, 18, 19. «) 1, 5, 6, 6) j. Taan. in.