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Menorah · 1926-05-01 · Heft 5 (Mai 1926) · p. Seite 302

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 5 (Mai 1926)
Article
Das Haus
Date
1926-05-01
Page
Seite 302 (sequence 7)
Language
German
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302 ME NORAH haft: „Soll ich Judith und Rahel 'reinrufen? Jette hat schon den Kaffee gebracht.. sie deutete nach dem Kaffeetisch im Eßzimmer, der mit allerhand Gebäck beladen lockend winkte. „Ja, Ruth, rufe deine Schwestern", sagte die Mutter und wenige Minuten später saßen wir alle vergnügt um den feiertägigen Vespertisch und ich dachte im stillen, so ein Jontef-Nachmitlags-Kaffee ist doch 'ne feine Sache. VV as war das gemütlich und freundlich. Welches Behagen unter diesen lieben Menschen und wie schmeckte der dampfende Kaffee mit der dicken Sahne und dem fetten Kuchen. . . Das ließ sich Jette, die alte jüdische Köchin, nicht nehmen, auch wTenn ich dagegen eiferte, um sie mir dann um so besser schmecken zu lassen. „Das gehört sich ä so, in ä gut jüdisch Haus, an Jontef vor Maarew-Dawnen und gelobt zu Gott, mer hab'ns dazu und die Butter ist diese Woche billig, Herr Kreisphysikus," kicherte sie, mich verspottend, „und an Mürbekuchen ist noch keiner gestorben." Diesen Argumenten konnte ich allerdings nichts entgegensetzen, als etwas — Salzsäure. Wir plauderten und lachten, und als ich das prächtige Elternpaar, umgeben von den lieblichen Töchtern so festtägig gestimmt, liebenswürdig im Äußeren, fromm im Inneren, sich des „Jontef" erfreuen sah, da kamen mir allerhand Gedanken über die Innigkeit und Würde des jüdischen Familienlebens, über die Zusammenhänge, die zwischen Liebe und Glauben, zwischen Demut und Hochgefühlen in diesen Kreisen eine so anziehende Atmosphäre schufen. Auf mich machte es einen rührenden Eindruck und mich überkam es stets mit dem eines friedenspendenden, seelenberuhigenden Wohlgefühls. Ein alter Sinnspruch fiel mir ein. „Des Gottesfrieden Heimat ist das Haus!" Wie seltsam! Der Katholik im Judenhaus empfand die Wahrheit dieses Sinnspruches. Als nach der Vesper die Mädchen sich entfernten, um noch mit den Gefährtinnen zusammen zu sein, die älteren beiden, um aus dem „Z'enno Urenno" die von der Mutter bezeichneten Erzählungen mit den Freundinnen sich vorzulesen, während Ruth mit einer Gespielin das beliebte Trenderle-Spiel vornahm. Das hat sie mich auch einmal gelehrt, es war am Chanuka-Fest, an dem es mit Vorliebe in den jüdischen Familien gespielt wurde. Noch tönt mir ihr silbernes Lachen im Ohr, wenn ich das einem Kreisel ähnliche, mit vier Flügeln versehene, aus Blei gegossene Ding etwas ungeschickt in Drehung versetzt hatte und sobald es feststand, die hebräischen Buchstaben ansagte: Gimmel—ganz, hei—halb, Nun—nicht. Besonders viel Spaß machte ihr, wenn ich „Nun" ansagte, zwei Nüsse in die Kasse legen mußte, die

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