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Menorah · 1926-05-01 · Heft 5 (Mai 1926) · p. Seite 301

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 5 (Mai 1926)
Article
Das Haus
Date
1926-05-01
Page
Seite 301 (sequence 6)
Language
German
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DAS HAUS 301 lichem Frohsinn das Köpfchen durch die Türspalte von Vaters Studierstube steckte und ihn anlachte mit unvergleichlichem Liebreiz und entzückender Anmut, dann erhellte sich sein Gesicht und das ganze Zimmer schien wie in Frühlicht freudiger Morgenröte getaucht. Und wenn er sie anrief: „Komm nur herein, Ruth" und sie näher kam, sich schüchtern an ihn schmiegte und er seine Hand auf ihr goldbraunes lockiges Haar legte, dann war es wie ein Segen, stumm und doch beredt. „Jeworechechu. Der Herr segne dich und behüte dich .. ." Tiefinnerst hat dieser hebräische Segensspruch immer meine Seele berührt und wie wundervoll war mir die Deutung, die der Rabbi mir eines Abends über diesen Segen der Kohanim gab. Auch die Form habe ich an einem hohen jüdischen Feiertag in der Synagoge mir einmal angesehen. Die Würde und der Ernst berührten mich, den Christen, mächtig und gaben mir viel zu denken. Zu viel vielleicht und ich erinnere mich plötzlich an den alten Schlaume Pulvermacher, mit dem ich damals das Gotteshaus verließ und der zu mir sagte: „Herr Kreisphysikus, ich glaube, Sie sind falsch geschmatt..." Rahel machte ihre Witze, als ich dies nachmittags erzählte und behauptete, der alte Pulvermacher möchte mich gewiß gern verheiraten, wenn er solche Bemerkungen mache, denn er ist nämlich ein Schadehen... Sie wurde sofort aus dem Zimmer gewiesen von der gestrengen Mutter und zog ab mit einer spöttischen Grimasse. Judith weiß, was das ist. . ." rief sie trotzig im Hinausgehen. Und Judith? Eine flammende Röte stieg in ihr Gesicht, in den Augen funkelten verhalt'ne Tränen und rasch folgte sie der Schwester. Ja, wahrhaftig, Judith wußte damals schon, was das Wort Schadehen bedeutete und Herrn Schlaume Pulvermachers Besuche .. . und sie war doch eben erst siebzehn geworden. Der Rabbiner sah seine Gattin fragend an und diese sagte ein wenig zögernd: „Es ist schwer, Raheis Neckereien und Übermut Einhalt zu gebieten." „Und warum auch?" begütigte er, lasse ihr den sprühenden Übermut, sie ist jung und ein bißchen keck sein ist ihr Recht. . ." ,,Aber Judith kränkt sich.. ." „Das scheint nur so.. . Judith ist ein viel zu feiner Kopf, um Neckereien der Schwester übel zu nehmen ... dazu sind sie zu gute Freundinnen und Vertraute, die haben sich beide schon längst heimlich über Pulvermachers Visiten ausgesprochen und ausgelacht. Es nützt nichts, Bertchen, dumm machen lassen sich die jungen Mädels nicht und Heimlichtuereien machen sie nur neugieriger. Es ist also am besten, man läßt sie gewähren." Mit großen, fragenden Kinderaugen sah Ruth bald den Vater, bald die Mutter an und dann kam es zag-

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