Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Der Ger Zedek Josef aus Nicolai
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 291 (sequence 2)
- Language
- German
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DER GER ZEDEK JOSEF AUS NICOLAI 291 zugelassen. Die Beschneidung vollzog er — nach dem biblischen Vorbilde des Erzvaters Abraham — selbst an sich, das Messer hiezu hatte er, wie er angibt, von einem Juden aus Krakau erhalten. Bei der Beschneidung nahm er den Namen Josef Abraham an. Am Jörn- Kippur des erwähnten Jahres 1785, der auf den 14. September fiel, nahm Steblitzki zum ersten Male am Gottesdienst in der Synagoge von Nicolai teil; Tallis und Kittel besaß er, da sie ein armer Jude einmal bei ihm versetzt hatte. Die Bürgerschaft des Städtchens, auf Steblitzkis „verdächtiges Treiben" aufmerksam geworden, entsandte am Jom- Kippur zwei Personen in die Synagoge, welche sich von der Richtigkeit des „Verdachtes" überzeugen sollten. Die Aussagen dieser Bürger bildeten das Substrat für eine Anklage gegen Steblitzki, auf Grund deren die Untersuchung erfolgte. Die oberschlesische Oberamtsregierung begleitete das Untersuchungsprotokoll mit einem Schreiben an König Friedrich IL, in dem sie unter anderem hervorhebt: „Ein solcher Abfall berührt zu stark die bürgerliche Stellung des Abgefallenen, als daß der Staat darauf nicht reagieren könnte. .. Wir haben vorläufig die Richtigkeit der Angaben feststellen lassen, ferner auch ... sowohl die Rolle, welche die Judenschaft des Ortes bei diesem Vorfall gespielt haben mag, wie auch den Geisteszustand des Beklagten. Die Untersuchung ergibt, daß .. , der Beklagte den festenWillen hat, Jude zu bleiben; in seinem Geisteszustand finden wir nichts, was auf Verwirrung oder Wahnsinn hindeuten könnte, wenn auch der Kreisarzt darin anderer Meinung ist; die Reden des Mannes sind streng sachlich, seine Antworten auf die gestellten Fragen völlig passend; und eine unrichtige Vorstellung und Überzeugung in Glaubenssachen kann nicht für Wahnsinn angesehen werden. Die Judenschaft des Ortes kann i n keiner Weise beschuldigt werden, Steblitzki von seinem ursprünglichen Glauben losgerissen oder in diesem Sinne auf ihn eingewirkt zu haben." Die Entscheidung Friedrichs des Großen lautete: „Eine weitere Untersuchung und Bestrafung ist nicht nöti g." Josef Abraham erhielt einen Schutzbrief als Jude und blieb unbehelligt in Nicolai wohnen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in S o r a u bei seinem katholisch gebliebenen Sohn, zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls den christlichen Glauben behielt. Er befaßte sich weiter mit dem Studium der Schrift, las besonders gern und oft die Psalmen und begleitete sich beim Psalmensagen auf der Geige.