Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Israel Friedmann
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 285 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ISMAEL FRIEDMANN 285 Gerade damals waren in der Kreis- und Industriestadt Aussichten erstanden. Und das gewonnene Geld und das alte Vertrauen, das die mühsamen Friedmanns in der volkreichen Industriegegend genossen, hatten es Abraham ermöglicht, sich an einem Geschäfte unter sehr günstigen Umstünden zu beteiligen. Schon von der Zeit an waren die Ähren der Friedmanns reich und golden in die Garben gegangen. Man hatte an manchem Wochenmarktstage die Bütten klingender Münzen, die Bauern und Schenkwirte, Krämer und Baumeister auf den vergitterten Zahltisch der Wechselstube trugen, sammeln können, wie die Fischer am Strande die silbernen Fische. Aber das eigentliche Ereignis, das zu Abraham Friedmanns ungeheurer Machtentfaltung den Grund gelegt, fällt einige Jahre später. Ein scharfer Kenner aller geschäftlichen Gelegenheiten in der ganzen betriebsreichen Gegend, war es ihm damals gelungen, eines zurückgekommenen Edelmannes Rittersitz aufzukaufen, dessen Holzreichtum er viel genauer als der gräfliche Förster heimlich überschlagen hatte. Und er halte dann mit Holzhändlern Wälder messen und abholzen können. Und Stamm um Stamm war umgebrochen und niedergekracht nur weiter als goldene Last in seinen Truhen. Damals war es auch gewesen, daß Abraham Friedmann auf den eigenen Äckern mit Erfolg nach Kohle geschürft. Und weil er nur immer den einen Gedanken ruhelos mit sich herumtrug, seinen Besitz zu erweitern und seine Wirkungen um so enger zu verschweißen, hatte er an die reichen Ausbeuten seiner Gruben bald Hüttenwerke angeschlossen und andere mannigfache Fabrikationsstätten ins Leben gerufen. Zwei Jahrzehnte hatten hingereicht, Abraham Friedmann zu einem der angesehensten und beneidetsten Industrieorganisatoren zu erheben. Manchem Händler und Fabrikanten, auch selbst manchem industriell gewordenen Magnaten, dünkte der Blick dieses geschäftsüberlegenen Mannes wie der des Löwen, der immer umging, alles zu verschlingen. Das war Abraham Friedmanns sehr einfache Lebensgeschichte. Denn seine Lebensgeschichte war nur immer ein Trachten und Tun. Wie eine Spinne den Umkreis ihres zitternden Fangfadenbereiches erweitert, so hatte auch Abraham Friedmann nur immer das eine Netz seiner Güter und Wälder, seiner feuerspeienden Hochöfen und seiner dröhnenden Hammerwerke, seiner Gruben und seiner Maschinenstätten emsig und rücksichtslos ausgesponnen. Und wahrhaftig, sein Herz konnte jetzt bei all der unheimlichen Höllenmusik in den verrußten