Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Israel Friedmann
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 284 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Mit Erlaubnis des Kurt Wolff-Verlages, Leipzig, veröffentlichen wir aus dem Romane des schlesischen Dichters ein Bruchstück, das den Werdegang des Vaters Ismaels, Abraham Friedmann, skizziert. as schlesische Dorf, darin des mächtigen Herrn Abraham Fried- J_f mann gebückt gehender, mühsamer Vater einst einen kleinen Leinwandkram besaß, den meist die Mutter versah, wenn der geplagte Alte mit dem schweren Packen über die Hügel in die langen Bauern - dörfer ging, war ein echtes, rußiges Kohlendorf. Hochschornsteine hatten rings auf den Hügeln geraucht und geflammt. Die Luftschicht über den Tälern war immer staubig-trübe gewesen. Auf den Feldwegen und der Chaussee zogen Tag um Tag zur Schichtzeit stumme Reihen schwarzer Bergleute, die in der Linken die Grubenlampe schwenkten und mit dem rohen, schmutzigen Stecken hart stapften. Die unheimlichen Züge der Bergleute hatten den dunkelbraunen, kräftigen Jungen immer tief erregt. Noch mehr, als ihm eines Tages Figia Friedmann, seine pechschwarzhaarige Schwester, heimlich allerhand von der kleinen Bergkapelle erzählt, die von einer Hecke umhuscht vom Hüttenwerke seitwärts lag und darin allzeit derselbe Sarg aufgebahrt auf einem schwarzen Postamente stand. Da hatte der leidenschaftliche dunkle Junge nicht mehr Ruhe gefunden, bis er es mit eigenen Augen und kalter Neugier angesehen, wie die schwarzen, ernsten Arbeitsmänner vor dem Sarge stehend, ein feierliches Gebet sprachen, unmittelbar, nachdem sie aus den dumpfen, heißen Erdgängen endlich wieder ans Licht getreten, oder wenn sie sich bereiteten, aus dem Licht des Tages in die todstummen, finsteren Schächte tief hinunterzutauchen. Und als Abraham Friedmann in seiner Studentenarmut vor Experimentiertischen und Büchern gesessen, hatte er mit wahrer Verschlagenheit alle Methoden und Möglichkeiten zu erkennen und zu durchdringen versucht, mit denen man Steinen und Erzen unseres irdischen Jammertales unerbittlich und ergiebig auf den Leib rückt. Noch in der Zeit seiner ersten Ingenieurstellung an einer Hütte hatte er eine sehr einträgliche Verbesserung an einer Bohrmaschine ersonnen. Und er hatte auch keinen Augenblick gezögert, die Erfindung gleich zu Geld zu machen, um sich damit freie Hand zu schäffen.