Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Mein Vater
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 280 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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280 MENORAH Neugeborener, sind die Klassen halbwüchsiger Knaben und Mädchen, deren Sehkraft heute von Stadt und Staat behütet wird auf Grund von Untersuchungen und Vorschlägen, die vor ihm kaum ein Arzt erhoben, die keiner schlüssig begründet hatte. Der Jugend Licht zu spenden: ein prometheisches Werk! Nur ein rastloser Charakter konnte solche Wirkung üben. Nur ein lebensvoller, in stetiger Bewegung glücklicher Mensch von jenem sprühenden Temperamente, das nicht nervös, nur in beständigem Flusse war, entwickelt und erklärt alles, was ihn und was er zur Wirkung gebracht hat. Von über 300 Arbeiten sind 40 Bücher, die meisten aber sind Aufsätze gewesen und gerade die leichtesten darf man vielleicht die wichtigsten nennen. Vom bloßen Popularisator unterschied er sich dabei schon durch die Ursprünglichkeit seiner Einfälle: es waren ja seine eigenen Ideen, die er sich zuerst wissenschaftlich bewiesen, dann aber in unermüdlichen Schriften und Vorträgen immer neuen und weiteren Kreisen einzuhämmern wußte wie ein Agitator. Denn ihn bewegte die Flamme der Überzeugung wie der Wunsch zu überzeugen, Redekunst wie die Gabe der Darstellung, Freiheit von Vorurteilen und eine ironische Realistik; nie hat ihm ein Mann, ein Amt imponiert ohne die Leistung, doch jede Leistung ohne Amt. War's Folge, war es der Grund solchen Fühlens, gewiß ist, daß es zugleich sein eigenes Schicksal wurde. Die eigene Leistung, in Wissenschaft und Fremde anerkannt, blieb zu Hause beinah ohne Amt, er erlangte als Professor kein Ordinariat und war davon nur zur einen Hälfte durch sein Judentum, zur anderen durch seine ständig revolutionäre Haltung ausgeschlossen. In Lehrbüchern, Zeitschriften oder auf Kongressen galt er als Führer, in Deutschland als einer der ersten Ophtalmologen; Fakultät, Stadtverwaltung und Ministerium aber blickten mit Befremden auf solches Ungestüm, das gar nicht altern, gar nicht weise werden wollte, sondern die Wahrheit, das Gesunde und Gute hundertprozentig, und zwar immer sogleich einforderte, damit es der Allgemeinheit nützlich werde. Als er sein Gymnasium seiner Vaterstadt wegen stockdunkler Lage als augenmörderisch brandmarkte, nannte ihn ein Stadl- Pro f. D r. 11 e rm a n n Lu d \v i g G o h u