Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1926)
- Article
- Capistrano, ein Breslauer Judenfeind in der Mönchskutte
- Date
- 1926-05-01
- Page
- Seite 263 (sequence 2)
- Language
- German
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GAPISTRANO 263 Gefährten bekehrt habe. Wo es irgend ging, tat er sein Möglichstes, um den Juden das Leben zu erschweren. Er hatte sich vom Papst eine außerordentliche Vollmacht geben lassen und hielt nun darauf, daß die Juden das vorgeschriebene Abzeichen an der Kleidung trugen. Als Inquisitor trat er zunächst in Sizilien auf. Für alle Zeiten ist sein Name mit den Schandtaten, die er in der schlesischen Hauptstadt, in Breslau gegen die unglücklichen Juden verübt hat, befleckt. Als „Geißel der Hebräer" hat er sich hier einen schauerlichen Ruf erworben. Ein Bauer aus Langenwiese bei Öls beschuldigte die Juden, sie hätten sich an der Hostie vergriffen. Die Ältesten der Juden sollen sie auf ein Tuch gelegt und mit Ruten gepeitscht haben und dabei in den Ruf ausgebrochen sein: „Das ist der Gott der Christen." Eine solche Anschuldigung genügte, um am 2. Mai 1453 sämtliche Juden Breslaus ins Gefängnis zu werfen. Ihr Schicksal war nunmehr ein furchtbares. Nach der damals üblichen Weise entlockte man ihnen im Gefängnis unter den grausamsten Folterqualen Geständnisse von Taten, die sie niemals begangen hatten. Aber es kam ja auch gar nicht darauf an, ein ordnungsmäßiges Gerichtsverfahren durchzuführen, sondern das Ziel war lediglich: Vernichtung der Juden. Schlesiens Herr war damals der erst dreizehnjährige König Ladislaus von Böhmen. Ihn verstand man derartig zu bearbeiten, daß er wirklich glaubte, es sei in Breslau von den Juden gegen das Heiligtum in der Tat ein schweres Unrecht verübt worden. Lassen wir den König selbst sprechen: „Als ich leider grausame und erschreckliche Handlung mit dem heiligsten und hochwürdigsten Sakrament des werten Leichnams unseres lieben Herrn Jesu Christi durch unsere Juden zu Breslau haben begangen; Also dass sie das heiligste Sakrament in ihre Gewalt gebracht und dass in ihrer Synagoge, wo sie beieinander versammelt gewesen sind, darinnen mit Ruten geschlagen und so schmählich behandelt und in manche Städte und Länder namentlich nach Polen anderen Juden zugeschickt, und mit Stechen, Schlägen und Ruten in ihren Synagogen geschmäht haben." Nach einem Stich aus den städtischen Sammlungen Wien