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Menorah · 1926-05-01 · Heft 5 (Mai 1926) · p. Seite 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 5 (Mai 1926)
Article
Geschichte der Juden in Schlesien
Date
1926-05-01
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 MENORAH Handel dorthin ihren Unterhalt suchten und inmitten einer damals noch zum Teil polnisch redenden Bevölkerung auf Dörfern und in kleinen Städten saßen, haben sie immer ihre westliche Orientierung scharf betont. Sie fühlten sich als kultivierter als ihre östlich wohnenden Glaubensgenossen und haben die abendländische und deutsche Bildung, nachdem sie sie einmal kennengelernt, als ihr wichtigstes Bildungselement geschätzt. Sie haben sich in Stunden der Entscheidung, zum Beispiel bei der oberschlesischen Abstimmung, ohne Schwanken und ohne Zaudern, trotz aller polnischen Lockungen, sofort auf die deutsche Seite gestellt und viel in diesen bangen Tagen dafür leiden müssen. Sie haben auch ihre inneren religiösen Kämpfe innerhalb der Gemeinden mit größerer Schärfe, als es sonst in Deutschland üblich war, geführt, weil ihre von der Aufklärung erfaßten Kreise in dem Bekenntnis zum Liberalismus ein Bekenntnis zur abendländischen Kultur und zu den deutschen Freiheitsgedanken erblickten. Es ist schwer, hiefür eine Begründung zu finden. Ihrer Herkunft nach waren die schlesischen Juden durchaus nicht einheitlich. Die Mehrzahl der alten Gemeinden war wohl durch Zuwanderer aus Deutschland gebildet worden. Nach ihrem Untergange haben Vertreibungen in Böhmen ihnen öfters Zuzug gebracht, ebenso die polnischen Judenverfolgungen während der schwedisch-polnischen Kriege des 17. Jahrhunderts (Chmelnicky). Die meisten Einwanderer sind aber als einzelne in der Stille ins Land gekommen. Sie saßen zumeist in Kleinstädten und Landorten und haben vielleicht dort manches von der übrigen Bevölkerung leichter übernommen, als es anderwärts geschah. Möglicherweise hat die Besonderheit des schlesischen Lebens mitgewirkt, Schlesien hat als einziges der deutschen Kolonialgebiete im Osten den kolonialen Charakter früh abgestreift und anders als die Mark oder das Preußenland ein eigenes geistiges Schaffen begonnen, wie es sich sonst nur auf altem Kulturboden erzeugt. Das zeigt sich besonders in der Zeit der erneuten Judeneinwanderung im 17. und 18. Jahrhundert. Vielleicht hat das irgendwie auf die Juden eingewirkt. Der erste Jude, der in dieser Zeit wieder deutsch dichtete, war der unglückliche Breslauer Ephraim Kuh; der unstete jüdische Philosoph Salomon Maimon fand in Schlesien bei einem Grafen den Mäcen, der ihm Zuflucht gewährte. Will man die Geschichte der schlesischen Juden mit wenigen Worten schildern, so muß man sagen: sie ähnelt an sich dem allgemeinen europäischen Judenschicksal: erst Freiheit, dann Verdrängung und Verfolgung, schließlich Vernichtung bis auf kleine Inseln, auf

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