Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 4 (April 1926)
- Article
- Molière in Jerusalem
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 246 (sequence 4)
- Language
- German
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246 MENORAH ZIONS-TOR Mittwoch, zufrieden sein. „Ach, könnten wir doch nur 3000 Pfund zum Bau eines kleinen Theaters aufbringen!", seufzt der Direktor, „eines Theaters mit nur 300 Sitzplätzen — uns wäre geholfen. Wir könnten dann täglich spielen, wir könnten alle fünf oder sechs Wochen ein neues Stück herausbringen . . . Aber heute studieren wir sechs oder sieben Monate an einer Neuaufführung, weil wir keinen Raum für unsere Proben haben. Jetzt z. B. studieren wir den ,Dibuk' ein. 46 Personen sind bei den Proben beschäftigt ... Und die Proben finden in einem Privatzimmer statt." In Europa würde man eine unter solchen Bedingungen arbeitende Truppe als Schmiere bezeichnen. Hier in Palästina schließen sich freiwillig Künstler von Rang zu einer Kooperative zusammen, arbeiten unter unwürdigsten Verhältnissen, hungern buchstäblich — eine Einnahme von vier Pfund pro Mitglied anläßlich einer Festaufführung vor Lord Balfour war der Chimborasso ihrer pekuniären Erfolge — und harren doch aus, bleiben im Lande Israels, Pioniere der Kunst. ,,0 das Publikum will nicht unsere neue Kunst. Der öde, flache Naturalismus wäre den Leuten viel lieber — wir wissen es. Aber wir geben nicht nach. Wir werden sie zwingen, unsere Kunst zu verstehenl Wir werden das Volk erziehen, auch wenn es nicht will", sagt einer von ihnen, und fährt fort: „Wenn uns nur jemand helfen würde! Aber es kümmert sich niemand um uns. In Berlin ging es uns gut, verhältnismäßig wenigstens. Aber hier haben wir weder vom Staat, noch von der Zionistischen Organisation, noch von Privaten irgend eine Subvention, irgend eine Hilfe." * Die Schuld am relativen Mißerfolg des palästinensischen Thealers — Mißerfolg vom materiellen Standpunkt und nicht vom schauspielerischen — liegt anderswo als nur im Mangel an einem Theaterlokal oder nur im Mangel an einer entsprechenden pekuniären Unterstützung. Die Gnessinsche Truppe ist nicht einheitlich, vor allem nicht einheitlich in der Beurteilung des Gnessinschen Stiles und seiner Methode, ein Stück monatelang einzustudieren, ehe es zur Aufführung gelangt. Es sei hiebei nicht nur daran gedacht, daß auf diese Weise die Einnahmemöglichkeiten der Truppe auf ein unerträgliches Minimum reduziert werden. Das Theater hat im Jahre 1925 z. B. insgesamt vier Stücke aufgeführt: „Belsazar", Die „Sündflut", „Jaakobs Traum" und den „Eingebildeten Kranken". Nun nehmen wir an, in Palästina befänden sich unter 140.000 jüdischen Einwohnern 70.000 Erwachsene, von denen allerdings mindestens 10.000 aus religiösen Gründen kein Theater besuchen und weitere 10.000, die kulturell noch nicht so weit sind, um ein ernstes Schauspieltheater würdigen zu können. Nehmen wir noch an, daß 20.000 Einwohner Palästinas — vor allem die Frauen der Neueinwanderer — der hebräischen Sprache nur höchst unzureichend kundig sind, so daß sie einem hebräischen Schauspiel nicht folgen können, so bleibt ein Publikum von 30.000 Menschen im ganzen Land, von denen mindestens 15.000 in den Kolonien und kleinen Städten leben, in welchen man doch nur ganz ausnahmsweise eine Aufführung veranstalten kann, und deren Einwohner so gut wie vom Theaterleben ausgeschaltet sind. Mindestens weitere 5000 jüdische Menschen Palästinas sind materiell oder beruflich nicht in der Lage, das Theater gerade an jenen spärlichen Tagen zu besuchen, an denen Aufführungen stattfinden und so bleibt aller-allerhöchstens ein Publikum von 10.000 Menschen als Stamm der palästinensischen Nationalbühne (auf drei Städte verteilt) übrig. Besucht dieses Publikum jedes der vier Stücke, die in diesem