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Menorah · 1926-04-01 · Heft 4 (April 1926) · p. Seite 245

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 4 (April 1926)
Article
Molière in Jerusalem
Date
1926-04-01
Page
Seite 245 (sequence 3)
Language
German
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MOLIERE 245 Aber eines ist sicher: die kleine Truppe, die Gnessin in dem armen Palästina um sieh geschart hat, hat wirkliches Thealerblut in den Adern, es sind wirkliche Künstler, an die man die gleichen Anforderungen stellen kann, wie an irgend eine Truppe Berlins oder Wiens. Ehrgeiz und Fleiß, Wille und ein unerhörter Opfermut lebt in diesen Menschen, die Kunst und Literatur in ein Land tragen, das davon vielleicht seit den Tagen des Hohen Liedes nichts mehr gehört hat. Die literarische Kultur Palästinas ist etwas primitiv. Ein jemenitischer Jude, der sich den „Eingebildeten Kranken" angeschaut hatte, sagte nachher: „Schön, sehr schön. Aber wozu hat man das ganze gemacht?" Und ein Volksschullehrer hielt den Verfasser für einen hebräischen Autor und sagte erstaunt: „Das Stück ist sehr schön, aber wieso hat man von dem Moliere noch nichts gehört?" In diesem Milieu arbeitet Gnessin, arbeiten seine Künstler, teilweise Leute von europäischer Klasse, zum Teil — wie Kohen-Bernstein — von europäischem Ruf. Arbeiten daran, eine Bühne zu schaffen, auf der in hebräischer Sprache die Helden der Bibel in biblischen Stücken auftreten sollen. Das ist ihr Ehrgeiz — jedes Volk hat seine Klassiker, jedes Theater seine Meisterliteratur, nur die Juden haben keine andere klassische Literatur als die Bibel. Und so muß man die Bibel auf die Bühne bringen und da es noch keine Autoren gibt, die biblische Stücke schreiben können, soll ein starkes hebräisches Theater mit starker nationaler Kunst entstehen, ihnen die nötige Anregung zu bringen. Moliere — den spielt man wegen des Kassenerfolges. Denn das Ziel ist und bleibt: die Bibel auf der Bühne. Ich höre dem Direktor Gnessin zu, wie er mit sachlicher Begeisterung davon spricht; fühle, daß er sich ganz originell dünkt, Bahnbrecher einer neuen Kunst, eines neuen Geistes — und daß er dabei vergißt, daß jedes nationale Theater den gleichen Weg gemacht hat, den er nun der hebräischen Bühne vorzeichnen will: jedes Theater beginnt mit der Dramatisierung der Bibel. Ich denke an Klopstocks Dramen: „Der Tod Adams" und „David", „Salomo", und es scheint schon nicht anders zu sein, als daß kein Volk Kullurwerte übernehmen kann. Man kann von den anderen nicht lernen, nur von sich selbst. . . Der letzte Akt. Die böse Stiefmutter ist von dem wieder ins Leben erstandenen eingebildeten Kranken zum Tempel hinausgejagt MIST-TOR worden, ein meterhoher Doktorhut schmückt als Amulett gegen künftiges Ungemach die Stirne M. Argans, die Liebenden hallen sich zärtlich umschlungen — aus den getragenen Tönen der Promotionsmusik wird ein feines Menuett und alle Figuren des Stückes tanzen sanft und leise an den schwarzen und goldenen Draperien vorüber, die den Schauplatz des Lustspieles umschließen. Nach dem Stück sitzen wir im Kaffeehaus — dem einzigen Kaffeehaus, das noch offen ist —zusammen! Und die Schauspieler klagen, klagen wie etwa Eckhof anno dazumal geklagt haben mochte. Kein Geld. Die lächerlichsten Schwierigkeilen. Kein Saal. Kein Theater. Zwanzig Pfund müssen sie Saalmiete für das Jerusalemcr Kino zahlen, 23 Pfund bisher pro Abend in Tel-Awiw. Und das ist nicht das schlimmste — aber der Besitzer des Tel- Awiwer Kinos verdiente mehr an Kinostücken als an Theaterstücken und gab daher seinen Saal nur einen Tag im Monat für dramatische Aufführungen frei. Und auch dieser Tag war nicht der Wahl der Truppe überlassen — sie mußte mit dem schlechtesten Theatertag, dem

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