Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 198 (sequence 5)
- Language
- German
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198 MENORAH Im Jahre 1863 (Protokoll des Archivs 702/34 ex 1863) verlangt Hammerschlag, daß ihm zur Ordnung und Katalogisierung der Bestände der Gelehrte S. G. Stern zugeteilt werde. Die Gemeinde willfahrte dem Verlangen und stellte für diesen Zweck eine Remuneration von 100 Gulden zur Verfügung, überdies gewährte sie der Bibliothek für ihre Zwecke eine jährliche Dotation von 200 Gulden. Über den Katalog, den Stern fertigstellte, spricht sich Hammerschlag in seinem Bericht an die Gemeinde sehr lobend aus; er sagt: „Stern hat nicht nur sämtliche Werke mit der größten Gewissenhaftigkeit und bis auf das kleinste Detail eingehenden Genauigkeit verzeichnet und beschrieben, sondern auch bei einzelnen derselben wertvolle literarische und bibliographische Anmerkungen beigefügt und dem ganzen eine interessant und lehrreich geschriebene Vorrede vorausgeschickt." Hammerschlag selbst ging nun nach erfolgter Katalogisierung an die Ordnung, Numerierung und Aufstellung der bereits auf 1200 Bände angewachsenen Büchersammlung. In dieser befanden sich freilich die aus älteren Beständen übernommenen Werke in sehr schlechtem Zustand (Protokoll Nr. 870/1863), die von Anton Schmid geschenkten Werke bildeten noch immer den schönsten Teil der Bibliothek. Hammerschlag verstand es jedoch, seiner Bibliothek neue Werke zu beschaffen, da durch seine hingebungsvolle Tätigkeit für dieses Bildungsinstitut in weiten Kreisen wohlwollendes Interesse erweckt wurde. So vergrößerten sich auch die Zuwendungen und Vermächtnisse Privater an die Bibliothek immer mehr. Hammerschlag kann daher trotz der schon früher entstandenen Ansätze als der Gründer der Wiener jüdischen Gemeindebibliothek angesehen werden (vergl. Bericht der Kultusgemeinde 1890 und Wachsteiii in Blochs Wochenschrift 1906, S. 704). Daß die Bibliothek dem Publikum zugänglich gemacht wurde, ist das Verdienst Hammerschlags, der als erster eine bestimmte Bibliotheksordnung verlangte, welche die Benützung der Bibliothek für jedermann regeln sollte. Wegen Raummangels konnte jedoch die Bibliothek, die nur einen Raum hatte, lediglich im Wege der Entlehnung benützt werden (Jahresbericht der Religionsschule 1868/69). Bis zum Jahre 1873 war die Zahl der Bücher auf 2000 angewachsen. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich in rascherem Tempo, was insbesondere dem Umstände zuzuschreiben ist, daß Dr. Ignaz K u r a n d a ihr seine besondere Aufmerksamkeit zuwendete. Unablässig bereit, die Bibliothek zu bereichern, spendete er schon bei Lebzeiten eine größere Anzahl hebräischer Werke; bekanntlich hat Dr. Kuranda der Bibliothek später den größten Teil seiner Bücher Sammlung vermacht. Er verstand