Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 197 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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BIBLIOTHEK DER WIENER KULTUSGEMEINDE 197 behörde, Freiherrn von Kempen, ein Gesuch mit der Bitte, es mögen ,,jene hebräischen und auf das Judentum bezüglichen deutschen Werke, die der hohen Stelle als Pflichtexemplare zugehen und zu amtlichen Zwecken nicht verwendet werden, der Bibliothek der hiesigen Religionsschule zugewendet werden6*. Die Polizeibehörde überließ daraufhin der Bibliothek eine Reihe von Pflichtexemplaren, zum größten Teil talmudisch-halachische oder kabbalistische Werke, die in Ungarn oder Galizien gedruckt worden waren. Aber diese Bücherüberweisungen waren spärlich und die Bestände der Bibliothek wuchsen kaum merklich. Dagegen brachten die Geschenke eine Vermehrung der Bücherzahl. Breuer selbst schenkte bei seinem Amtsantritt der Bibliothek eine Reihe von Werken, die zum Teil im Buchhandel nicht mehr erhältlich waren. Im Jahre 1855 schenkte Ludwig August Frankl der Bibliothek 150 Bände, ferner erhielt sie Bücherspenden von Josef Werth ei me r, Moriz Goldschmid, Dr. Max Engel, Nathan Schlesinger. In einem Briefe vom 15. Oktober 1860 sehreibt Breuer: „Um der Religionsschule, an der ich 21 Jahre als Lehrer gewirkt, ein bleibendes Andenken von mir zu hinterlassen, war ich so frei... 30 Druckwerke für die Schulbibliothek zu übergeben.'4 Auch Adolf Jellinek, der von den ersten Jahren seiner Wirksamkeit in Wien bis zum Jahre 1859 als Direktor der Religionsschule die Oberaufsicht über die Bibliothek hatte, sorgte für die Vermehrung der Bestände. So wuchs die Zahl der Bücher auf 514 Bände. Eine bedeutende Erweiterung erfuhr die Bibliothek jedoch erst, als sie in Samuel Hamm erschlag (gest. 1904) ihren ersten ständigen Bibliothekar erhielt; er hatte im Jahre 1857 die Leitung freiwillig übernommen und führte sie bis zum Jahre 1903. Hammerschlag richtete sein Augenmerk nicht nur auf die Vermehrung des Bücherbestandes, sondern vornehmlich auch darauf, die Bibliothek zu einer öffentlichen Institution auszugestalten. In seinem Berichte vom Jahre 1861 führt er unter anderem aus: ,, . . . Die Bibliothek, die auf 900 Bände angewachsen ist, möge, nachdem der Katalog geordnet und veröffentlicht sein wird, im Jahre 1862 unter den bei allen öffentlichen Bibliotheken statthabenden Kauthelen und Bedingungen der allgemeinen Benützung freigegeben werden." Hammerschlag steckte das Ziel aber weiter, indem er sagte: „Wenn wir auch auf das, was aus den kleinen Anfängen geworden, mit freudiger Genugtuung hinweisen können, so wissen wir es doch auch wohl, wieviel noch dazu fehlt, bis unsere Bibliothek auf einen der ersten Gemeinde Österreichs würdigen und den Forderungen unserer Zeit entsprechenden Stand gebracht sein wird."