Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 196 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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196 MENORAH Scbmid der Wiener jüdischen Gemeinde auch weitere (in den Jahren 1819 bis 1845) Werke aus seiner Druckerei zur Verfügung gestellt. In dem Dankschreiben der Gemeinde an Schmid vom 24. September 1819 heißt es unter anderem: „Die 33 Bände, durchaus in feinem Franzband mit Goldschnitt gebunden, wurden Ihrer gütigen Absicht gemäß der erwähnten Bibliothek einverleibt und in den Katalog eingetragen. Auch diese Schenkung wurde im Bethause der versammelten Gemeinde angekündigt, worauf ein ölTentlicher Segensspruch für das Wohl und Glück des großmütigen Gebers folgte." (Gemeindearchiv, Kopierbuch.) Zur Gründung einer Gemeindebibliothek kam es jedoch damals noch nicht. Die Schmidsche Büchersammlung wurde später um 50 Bände vermehrt, die Herr Hermann Duke s, der Vater des Gelehrten Leopold Dukes, schenkte, und bildete bis zum Jahre 1850 den einzigen öffentlichen Bücherschatz der Wiener jüdischen Gemeinde. In diesem Jahre richtete der Religionslehrer Leopold Breuer an den Vorstand der israelitischen Gemeinde ein Schreiben mit der Bitte, der Beligionsschule eine jährliche Dotation zu gewähren, deren Zweck die Anschaffung der unentbehrlichsten Werke der jüdischen Literatur und der wichtigsten jüdisch-wissenschaftlichen Zeitschriften sein sollte. Bei seinem Gesuch dachte Breuer in erster Linie daran, die geistigen Bedürfnisse der jüdischen Funktionäre zu befriedigen, doch schwebte ihm auch der Gedanke einer öffentlichen jüdischen Bibliothek vor; denn in seiner Zuschrift heißt es unter anderem: ,,Es soll der Grund zur Errichtung einer jüdischen Schul- und Gemeindebibliothek gelegt werden, die dann auch weiten Kreisen zugänglich gemacht würde, um wissenschaftliches Leben und Streben zu fördern." Auf Grund dieses Gesuches bestimmte die jüdische Gemeinde eine Summe von 60 Gulden jährlich zum Ankauf von Büchern. Die Bibliothek wurde der damaligen Religionsschule angegliedert. Sie war also nach Zweck und Anlage keine öffentliche, sondern eine Handbibliothek. Aus ihr entwickelte sich dann jene Institution, die zu einer der Bedeutung der Wiener jüdischen Gemeinde würdigen großen Bibliothek wurde. Da das jährliche Budget von 60 Gulden, das im Jahre 1854 auf 100 Gulden, im Jahre 1857 auf 150 Gulden erhöht wurde, für die Anschaffung der aller notwendigsten Bücher selbstverständlich nicht ausreichte, suchte Breuer die Bestände durch Geschenke zu vergrößern. Überdies richtete der Vorstand der Gemeinde auf Anregung von Ludwig August Frankl an den damaligen Chef der obersten Polizei-