Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 195 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOTHEK DEB WIENEB KULTUSGEMEINDE 1<J5 jüdischen Gemeindeverwaltungen glaubten dies um so eher tun zu können, als ja in fast jeder größeren jüdischen Gemeinde Lehrhäuser bestanden, welche oft sehr ansehnliche und wertvolle Büchersammlungen besaßen und der freien Benützung überließen. Außer diesen Büchersammlungen gab es zahlreiche jüdische Privatbibliotheken, die häufig große Berühmtheit hatten und deren Besitzer sie den Gelehrten, welche es wünschten, gern zur Verfügung stellten. Alle diese Bibliotheken litten freilich an dem Übelstand, der alle Privatsammlungen kennzeichnet, der geringen Stabilität; Verarmung, Verständnislosigkeit von Erben zerstreuten solche wertvolle Büchersammlungen häufig nach verhältnismäßig kurzem Bestände, da aus den erwähnten oder anderen Gründen ein Teil der Bestände oder ihre Gesamtheit verkauft wurde. Manche solcher berühmter Sammlungen, wie die Oppenheimersche Bibliothek, wurden von allgemeinen öffentlichen Bibliotheken erworben, einige ganz verstreut. Die jüdischen Gemeinden taten nichts dazu, um solche Schätze der jüdischen Gemeinschaft zuzuführen und zu erhalten. Dagegen erwarben die im vorigen Jahrhundert begründeten Rabbinerseminare durch Ankäufe, noch mehr aber durch Geschenke und Vermächtnisse wertvolle Büchersammlungen aus privater Hand. Der Wiener jüdischen Gemeinde gebührt das Lob, nach den jüdischen Gemeinden in Amsterdam und Mantua eine der ersten gewesen zu sein, die eine eigene Bibliothek anlegte. Diese Bibliothek hat sich im Laufe der Jahre zu einer Institution entwickelt, auf welche die Wiener jüdische Gemeinde mit Stolz hinweisen kann. Die Anregung zur Gründung einer jüdischen Gemeindebibliothek gab der Wiener Buchdrucker Anton S c h m i d, indem er im Jahre 1814 der israelitischen Gemeinde 133 Bände der in seinem Verlage erschienenen Bücher schenkte. Gleichzeitig übergab er der Gemeinde eine in deutscher Sprache abgefaßte, mit hebräischen Lettern gedruckte Widmungsschrift samt einem Verzeichnis der geschenkten Bücher. Diese Urkunde ist noch heute in der jüdischen Gemeindebibliothek aufbewahrt. Sie besagt unter anderem, daß Schmid seine Schenkung nicht einem bestimmten Vereine machte, sondern der jüdischen Gemeinde als eine Art Danksagung für die ,,ganze israelitische Nation" übermittelte, durch deren Hilfe er es von einem einfachen Buchdruckergehilfen zu einem der ersten Buchdrucker Österreichs (er wurde bekanntlich auch als ,,Edler von Schmid" geadelt) gebracht hatte. Die Schmidsche Büchersammlung wurde dem Wunsche ihres Spenders gemäß im Bethause im Dempfingerhofe aufgestellt. In der Folge hat: