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Menorah · 1926-03-01 · Heft 3 (März 1926) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 3 (März 1926)
Article
Zur Gründungsgeschichte der Wiener Religionsschule
Date
1926-03-01
Page
Seite 191 (sequence 6)
Language
German
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GRÜND.-GESCHICHTE DER WR. RELIGIONSSCHULE 191 Überhaupt aber fehlt es dem besten Prival-Unterricht an Abwechslung, Wärme und Nacheiferung. Die Emutation in einer öffentlichen Schule treibt die mittelmäßigsten Köpfe zum angestrengten Fleiße, um jenen nicht nachgesetzt zu werden, die die Natur mit einer größeren Fähigkeit begabt hat. Die Tugendlehreri, den versammelten Schülern vorgetragen, machen einen weit lieferen und also heilsameren Eindruck auf ihr Gemüth; so wie der öffentliche Gottesdienst weit mehr auferbaut, als die häusliche Andacht. . . Was können aber Mangel an Unterricht und eine vernachlässigte Erziehung für andere Folgen haben, als Irreligiosität, Zuchtlosigkeit und unheilbares Verderben? Traurige Aussicht in die Zukunft! Diesen Übeln vorzubeugen, scheint es kein wirksames Mittel zu geben, als hier ein öffentliches Lehrinstitut für die jüdische Jugend zu errichten, in welchem von geschickten und geprüften Lehrern, unter einer einsichtsvollen Leitung, und nach der im Staate eingeführten Lehrmethode alles dasjenige gelehrt würde, was der gesittete Mensch, der vernünftige Israelit, und der brauchbare Bürger zu wissen nöthig hat, um das zeilliche Glück und die ewige Seligkeit zu erlangen . . ." Die zweite Angelegenheit betrifft die Bitte, dahin zu wirken, daß entgegen dem § 6 des Toleranzpatents es den Söhnen der Tolerierten auch nach ihrer Verehelichung gestattet sei, sich mit ihrer Familie hier ungehindert aufhalten zu dürfen. Das Memorandum schließt mit folgender Erinnerung: „Freywillig zog sie (die jüdische Jugend) mit dem Aufgebothe aus, gab sich den Gefahren Preis, und im vorigen Jahre sowohl, als im Jahre 805 versah sie den Militärdienst mit einer solchen unverdrossenen Treue und Pünktlichkeit, daß mehrere derselben zu honorablen Chargen bey dem hiesigen löblichen Bürgerchor sich hinaufgeschwungen haben." Um die gleiche Zeit, Februar 1810, fand das historische Bankett statt, das der von schwerer Krankheit genesene ,,Spitalsvater" Ascher Matzel seinem Retter, dem Spitalsarzt Elias Hirschfeld gab, bei welchem dieser in Anwesenheit des Polizeioberdirektionssekretärs Regierungsrat Philipp Viktor von La Roze die Schaffung eines Fonds zur Unterhaltung armer jüdischer Siechen anregte. Die sofort eingeleitete Subskription ergab bereits in kurzer Zeit einen über den ursprünglichen Zweck hinausgehenden Betrag. Die Vertreter planen jetzt den Ankauf des Dempfmgerhofes. Nun soll sich der alte Wunsch der Schulgründung, aber nur als Religionsschule verwirklichen. Auf das von der Polizeioberdirektion der Hofkanzlei vorgelegte Ansuchen der Juden um Bewilligung dieses Hauskaufes tritt diese in einem Vortrag an den Kaiser vom 18. Oktober 1810 dafür ein, ,,E. M. wollen, ebenso wie der hiesigen Judengemeinde der Ankauf eines eigenen Hauses für ihr in der Rossau befindliches Krankenspital dispensando gnädigst bewilligt wurde, derselben unter den gehörigen und bey dem Krankenspitalhause beobachteten Vorsichten auch den Ankauf eines eigenen Hauses für ihre seinerzeit zu errichtende Schule zu bewilligen gnädigst geruhen". Diese Bewilligung wird am 8. Februar (Hönning) 1811 erteilt.

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