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Menorah · 1926-03-01 · Heft 3 (März 1926) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 3 (März 1926)
Article
Die beiden Schwerter
Date
1926-03-01
Page
Seite 182 (sequence 4)
Language
German
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182 MENORAH Herrn hier in aller Freiheit reden kannst. Durch ihn wird es der Kaiser erfahren." „Nun wohl!" rief Adrian Fingerhut, sich zusammenraffend, „der Kaiser hat mir nicht Wort gehalten!" „Wahnsinniger!" schrie der Dechant, indem er herzusprang, „du weißt nicht, vor wem du stehst und so redest. . ." „Herr Dechant!" winkte Josef lächelnd. Der alte Priester schlich wieder nach dem Lehnstuhl zurück. „Ihr Juden seid doch ein sonderbares Volk!" sagte Josef kopfschüttelnd. „Da muß der Kaiser vom Vater dieses jungen Mannes hören, sein Sohn sei ihm durch das Toleranzedikt geraubt worden, und von diesem Sohne muß er sich wieder ins Gesicht sagen lassen, der Kaiser habe ihm nicht Wort gehalten. Wo liegt die Wahrheit?" „Ich will es Ihnen erklären, gnädigster Herr", sagte der Sohn des jüdischen Handelsmannes. „Als das Toleranzedikt des Kaisers erschien, da geriet meine Seele in lauten Jubel. Ich hatte mich mit heimischer und fremdländischer Literatur beschäftigt — und nun stand ein Monarch vor mir, der im Begriffe stand, die Ideale meiner Philosophen in die Wirklichkeit zu übersetzen..." „Wie kamen Sie zu deutschen Büchern?" fragte der Kaiser mit allen Zeichen der Überraschung. „Auf der Talmudschule zu Prag", lautete die Antwort. „Fahren Sie fort!" rief der Kaiser. „Von diesem Augenblicke an stand der Gedanke in mir fest, es Josef dem Zweiten gleichzutun", fuhr Adrian Fingerhut fort. „Ich wollte ihm nacheifern: die Hand, die das Toleranzedikt unterschrieben hatte, mußte an einem großen, an einem christlichen Herzen geruht haben. So faßte ich den Entschluß, Christ zu werden und begab mich zum hochwürdigen Herrn Stadtpfarrer von Kojetein ..." „Ich weiß das!" rief der Kaiser, dessen Aufmerksamkeit von Minute zu Minute zunahm. „Das Toleranzedikt erschien mir nur wie der schüchterne Anfang des Frühlings, wenn der Winter zu Ende geht. Josef der Zweite, sagte ich zu mir selbst, ist von der Idee der Menschengleichheit so durchdrungen; er, der christliche Herrscher, hat ein so vollständiges System in seinem Kopfe fertig, ein System, nach welchem die Menschheit seiner Staaten in ihrem innersten Wesen umgewandelt werden muß, daß mich schon der ärmliche Brocken, den das Toleranzedikt abwarf, wie Himmelskost dünkte." „Und Sie fanden sich getäuscht?" rief der Kaiser.

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