Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die beiden Schwerter
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 181 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE BEIDEN SCHWERTER 181 ja bekannt sein, daß auf einem derartigen Verbrechen in früherer Zeit.. . der T o d stand?" Adrian Fingerhut erbebte vom Scheitel bis zur Zehe. Trotz des ungewissen Lichtes, das von der Lampe ausging, konnte der Kaiser sowohl als der Dechant die tiefe Blasse bemerken, die die ohnehin feinen Gesichtszüge des jungen Menschen in wahrhaft erschreckender Weise bedeckte. „Meine Mutter! meine gute Mutter!" murmelte er vor sich hin. In dem Antlitze des Kaisers ging eine wunderbare Wandlung vor. Die Strenge des Richters war daraus entwichen und der holde Zug, der aus ihm leuchtete, gehörte dem Menschen, dem fühlenden Menschen an. „Er wird es auch nur Seiner Mutter und hier diesem trefflichen Manne zu danken haben," sagte Josef, indem er auf den Dechanten wies, „wenn Seine Tat nicht die volle Schwere der gesetzlichen Ahndung treffen wird, die sie unter allen Umständen verdient. Bevor ich aber im Auftrage des Kaisers des mir übertragenen Amtes mich entledige, wird Er mir über einige Punkte, die mir jetzt noch dunkel sind, Aufklärung zu geben haben. Ist Er gefaßt genug, um mir antworten zu können?" „Ich bin es", sagte Adrian Fingerhut. „Wenn ich mich recht erinnere," sagte Josef nach einer Weile, „so war es das Toleranzedikt des Kaisers, das Ihn zu dem Entschlüsse verleitete, die Religion Seiner Väter mit der Seines Monarchen zu vertauschen. Wodurch ward es bewirkt, daß Er alsbald Reue über den getanen Schritt empfand?" „Das kann ich dem gnädigen Herrn nicht sagen!" rief der junge Mann in großer Bewegung aus. „Er zögert? Vergißt Er, daß ich im Auftrage und im Namen des Kaisers hier sitze?" „Nur dem Kaiser allein könnte ich es sagen!" rief Adrian Fingerhut, indem er seinen Kopf hoch aufrichtete. Der Kaiser winkte den greisen Priester zu sich. „Herr Pfarrer," sagte er zu ihm, „machen Sie dem jungen Manne doch bemerklich, daß er hier vor mir gerade so frei und ohne Zurückhaltung sprechen kann, als befände er sich im Kontrollorgange zu Wien . . . vor dem Kaiser." „Mein Sohn!" sprach der Dechant, indem er den Arm des jungen Mannes leise berührte, „ich kann dir bei allem, was dir und mir heilig ist, die Versicherung geben, daß du.. . vor diesem hochgeborenen