Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die beiden Schwerter
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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180 MENORAH „Weiß Er, mein Freund, weswegen Er herberufen worden ist?" fragte Josef. „Ich soll ein Verhör bestehen", lautete die Antwort Adrians, deren wohllautende Sprache das Ohr des Kaisers angenehm berührte. „Ein Verhör! vor wem? und weswegen?" rief der Kaiser mit einiger Lebhaftigkeit. „Vor dem Richter meines Kaisers und weil ich mein Urteil vernehmen soll", entgegnete der junge Mann leisen, aber bestimmt klingenden Tones. „Und dieses Urteil, das ich Ihm anzukündigen komme, wird strenge ausfallen, je nachdem ich Seine Antworten befinde", rief Josef, ob absichtlich oder gegen seinen Willen drohend. „Wie alt ist Er?" „Siebenundzwanzig Jahre." „Wie heißt Er?" Adrian Fingerhut warf einen raschen Blick auf den an seinen Lehnstuhl gestützten Pfarrer, dann sagte er ruhig: „Ich nenne mich Samuel Fingerhut." „Er heißt anders, junger Mann", rief der Kaiser, sich hastig von seinem Sitze aufrichtend. „Ich nannte mich früher Adrian Fingerhut," sagte der Sohn des jüdischen Handelsmannes schwer aufatmend, „aber ich habe diesen Namen abgelegt." „Wußte Er, daß man einen Namen nicht wechseln darf, daß es ein Verbrechen ist, sich einen andern beizulegen?" „Ich habe es gewußt", sagte Adrian Fingerhut. „Er weiß also, daß Er ein Verbrechen begangen hat?" „Vor dem Gesetze, ja! Gott wird mich anders beurteilen, als der Buchstabe des Gesetzes, das ja von Menschenhand geschrieben wurde." „Er spricht mit großer Gewißheit und Zuversicht, mein Freund", rief der Kaiser mit gerunzelter Stirne. „Woher weiß Er, daß das, was Er als ein Verbrechen am Gesetze begangen anerkennt, nicht auch ein Verbrechen an Gott ist? Abfall von einer Religion... ist das nicht selbst nach den Lehrsätzen des Glaubens, zu welchem Er sich früher bekannte, etwas, was vor den Augen Gottes mißfällig erscheint? Weiß Er, was ein Meineid ist?" „Gott sieht auf das Gemüt, die Menschen auf das Tun!" sagte Adrian Fingerhut mit bebender Stimme, denn das Auge des Kaisers ruhte in diesem Momente mit der Gewalt eines Richters auf ihm. „Er scheint sich die Sache gar zu leicht gemacht zu haben", rief der Kaiser mit einem Anfluge herber Zurechtweisung. „Es mußte Ihm