Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Isak Noa Mannheimer, Dr. Adolf Jellinek und Dr. Moritz Güdemann im Stadttempel
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 163 (sequence 6)
- Language
- German
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MANNHEIMER — JELLINEK — GÜDEMANN 163 Mitte zwei Leuchten besonders hervorragten, die ihm Stellung und Anregung zu verdanken hatten: der Historiker des Talmud Isak Hirsch Weiß und der wohl beste Kenner des Midrasch M e i r Fried mann. Unvergleichlich erfolgreich war Dr. Güdemann auf dem bis dahin von den modernen jüdischen Theologen zumeist geringschätzig behandelten rituell-rabbinischen Gebiete. Er fühlte sich, sei es vermöge des ihm vorschwebenden Ideals seines großen Lehrers Dr. Zacharias Frankel, sei es zufolge innerer Überzeugung als konservativer Rabbiner, der nicht bloß sein Äußeres — er brach mit dem eingerissenen Usus, hinten langes Kopfhaar und vorne keinen Bart zu tragen — sondern auch sein ganzes Verhalten danach gestaltete, Bezeichnend für sein erstes Auftreten in der Wiener Gemeinde ist nachfolgender Vorfall, den er selber in seinen im Familienbesitz befindlichen Erinnerungen: „Aus meinem Lebe n", mit den Worten wiedergibt: ,,Ich hatte schon von Magdeburg aus Herrn Gustav Simon (Vorsteher und später Präses der Gemeinde) angefragt, ob ich meine Sukka mitbringen solle oder in Wien eine vorfinden würde, worauf er mir schrieb, ich möchte doch von einem Verlangen nach einer Sukka abstehen, da auch Mannheimer und Jellinek nie danach verlangt hätten. Ich beharrte dabei und Simon hatte weiters nichts dagegen einzuwenden, versicherte vielmehr, daß ich eine Sukka vorfinden würde. Als ich dann nach Wien kam, sagte mir bald nachher Ludwig August Frankl mit einem Ausdruck, als wenn er die Hände über den Kopf wegen dieser Rückständigkeit zusammenschlagen wollte: Denken Sie, die Gemeinde will jetzt eine Sukka aufstellen lassen! Er tat so, als ob er nicht wüßte, daß dies auf mein Verlangen geschehe, was ihm als Gemeindesekretär nicht unbekannt sein konnte. . . Ich antwortete ihm klipp und klar, daß ich eine Sukka verlange und daß nach meiner Meinung die Feier eines Hüttenfestes ohne Hütte lächerlich sei, was er sich gesagt sein ließ." Dr. Güdemann hatte auch in konsequenter Durchführung seiner Anschauung, daß das Predigeramt vom Rabbinate unzertrennlich sein müsse — heute eine Selbstverständlichkeit, damals ein Novum — im Jahre 1868 den Vorsitz im Rabbinatskollegium erhalten und schließlich gelang es ihm auch, im Jahre 1892 den Titel eines Oberrabbiners schaffen zu lassen und ihn zu erlangen, während Dr. Adolf Jellinek, getreu seiner Anschauung, beim Titel Prediger verbleiben wollte. Alle drei Männer: Mannheimer, Jellinek und Güdemann, so verschieden sie in ihren Anlagen, Anschauungen und Antrieben waren, von einem Gedanken waren sie beseelt, einem