Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Isak Noa Mannheimer, Dr. Adolf Jellinek und Dr. Moritz Güdemann im Stadttempel
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 164 (sequence 7)
- Language
- German
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164 MENORAH Ziele strebten sie mit aller Kraft ihrer Persönlichkeit in Worten und Werken zu: die Einheit der Gemeinde — im Gegensatz zu den Verhältnissen in Deutschland und Ungarn — zu wahren. Diese Geschlossenheit, im Stadttempel sowie in der im selben Gebäude befindlichen gemeinsamen Ratsstube festgehalten, ist dem Wiener Judentum trotz mancher Stürme unversehrt erhalten geblieben. LUDWIG AUGUST FRANKE Geb. in Chrast am 3. Februar 1810 Gest, in Wien am 12. März 1894 Gott weint Ich seh' ihn noch: mit strengen Mienen, Im schwarzen, seidenen Talar, Mit weißem Barte, den Rabbinen, Dem tiefes Wissen eigen war. Er lebte streng und sprach nur selten, Er forschte, betete zumeist, Auf Erden nicht, in andern Welten Schien aufzugehen sein frommer Geist. Einst fragt' ich ihn mit dreistem Munde: „Sind dir des Lebens Freuden Nichts?" Da gab er mir tief-ernste Kunde Geheimnisvollen Angesichts: „Jedweden Tag keine Sekunde Weint um sein Volk Jehovahs Herz, Daß er's auf weitem Erdenrunde Zerstreuen mußte, sich zum Schmerz. Erheben wird er es aufs neue, So kündet der Kabalah Schrift, Wenn des abtrünnigen Volkes Reue Mit dem Moment zusammentrifft. Wie aber, wenn mich Lust betörte, Da der Moment dereinst erscheint? Und ich den Friedensbund zerstörte, Wenn Gott und Volk Versöhnung weint!"