Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Isak Noa Mannheimer, Dr. Adolf Jellinek und Dr. Moritz Güdemann im Stadttempel
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 161 (sequence 4)
- Language
- German
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MANNHEIMER — JELLINEK — GÜDEMANN 161 verschafften, wie Mannheimer auch in der Zeit der darauffolgenden Reaktion durch sein Wort Mut und Ausdauer zu erwecken verstanden hatte. Zwei Jahre vor dem zur Neige gehenden arbeitsamen Leben (1863) sprach Mannheimer bei einem Anlasse über sein Wirken die ebenso wahren wie tief rührenden Worte: „Ich war auch meiner Gemeinde in solchen Stunden nicht der Priester, der fungierende; ich war ihr mehr als das; ich war ihr Vater, Freund und Bruder, sie war das Kind meines Herzens, sie war meine Sorge bei Tag und Nacht. Ich war jung und bin alt geworden und habe es nicht verlernen können, an allem, was die Gemeinde Gottes betroffen, in ihrer Gesamtheit wie im einzelnen Anteil zu nehmen in Leid und Freud, als hätte es mich betroffen. Ich habe das Glück und den Frieden meines Hauses nie obenan gestellt. Das Haus Gottes war mein Haus, wie seine Ehre mir am Herzen lag. Das Haus Israel — mein Haus, meine Familie, deren Wohl und Wehe mich tief bewegte und keine Stunde meines Lebens mir frei ließ." (G. Wolf, Mannheimer, Wien, 1863, S. 52.) Nicht anders war es bei Mannheimers Nachfolger, Dr. Adolf Jellinek. Seine geistsprühende Stellungnahme zu den Zeitfragen, seine weitumfassenden Predigten über den seinerzeit von den judenfeindlichen Gelehrten als Angriffspunkt erwählten Talmud, seine unermüdlichen Hinweise auf die segensreichen Einwirkungen der jüdischen Lehre auf die Gesittung der Menschheit bildeten weit über die Bannmeile Wiens Quellen der Erstarkung des jüdischen Selbstbewußtseins. Aber auch die Art und Weise, in der Jellinek auf der Kanzel des Stadttempels auf gewisse Vorgänge im Staatsleben anzuspielen und sie zu geißeln verstand, lenkte die Aufmerksamkeit der Politiker auf seine Ausführungen und mancher Staatsmann fand den Weg nach der Seitenstetten - gasse, um das Gotteshaus oder das Privathaus Jellineks aufzusuchen. Bezeichnend für die Beachtung, die Jellineks Predigten in kritischen Zeiten von hochstehender nichtjüdischer politischer Seite entgegengebracht wurde, ist nachfolgender, bei allem Humor doch respektvoll gehaltener Passus in einem Briefe, den der Dichter und Staatsmann Anastasius Grün (Graf Anton Auersperg) am 26. Juli 1866, nach der Niederlage bei Königgrätz, von seinem Landsitze an Dr. Ludwig August Frankl in Wien gerichtet hatte. Derselbe lautet: „Unser Rabbiner Klinkowström und Ihr Pater Jellinek haben fast gleichzeitig über die Ursachen der letzten Jammerkatastrophe gepredigt. Unser Rabbi hat nur eine Albernheit mehr gefördert, Ihr Pater aber den Nagel auf den Kopf getroffen, besonders in der zitierten Schriftstelle, welche so