Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Isak Noa Mannheimer, Dr. Adolf Jellinek und Dr. Moritz Güdemann im Stadttempel
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 160 (sequence 3)
- Language
- German
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160 MENORAH der Bibel: „Und daß du ihnen kundtuest den Weg, den sie gehen, und die Tat, die sie tun sollen." (Exodus, 18, 20.) Um das Wirken Mannheimers, Jellineks und Güdem a n n s für die Erhaltung der Wiener Judenheit ganz zu erfassen, vergleiche man die parallelen Vorgänge in einer anderen Gemeinde, etwa in der Berlins. Die Nachwirkungen der Aufklärungsperiode äußerten sich in Berlin in Massentaufen, die fast die Hälfte der Gemeindemitglieder umfaßten (Graetz, Geschichte, B. XI). Wer die elegischen Äußerungen Leopold Zunzens in seinen an Man nheimer gerichteten Briefen (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 1917, Brann-Rosenmann) liest, kann den Schmerz dieses edlen Mannes erfassen, der bei all seinem immensen Wissen sich ohnmächtig fühlte, mit seiner noch so fleißigen, im stillen Gelehrtenzimmer arbeitenden Feder gegen diese Zeiterscheinung auch nur irgendwie ankämpfen zu können. Die gleiche Lawine des Abfalls, wenn auch nicht mehr so stark, machte sich in der Hauptstadt des Deutschen Reiches geltend, als in den letzten vier Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts der Boden unter den Füßen der deutschen Juden zu wanken begann. Ganz anders in Wien. Hier erwies sich der Stadttempel, vom Tage seiner Begründung, die unbestritten anerkannte Lehrstätte aller kulturell und religiös fühlenden Elemente, als ein mächtiger Resonanzboden. Hier kamen die Anschauungen jener drei Persönlichkeiten, auch sonst als geistige Individualitäten größeren Grades bewertet, voll und ganz zum Ausdruck; hier erscholl und nicht selten auch an anderer Stelle das gütig sammelnde Wort Mannheimers, das apologetisch-glorifizierende Jellineks und das nicht selten satirisch-scharfe, stets aber weise abwägende Güdemanns, und es fand Gehör. Bereits vier Jahre nach seinem Amtsantritt in Wien durfte Mannheimer mit vollem Rechte über sich schreiben: ,,Betrachten Sie mich nicht als den verschollenen Prediger der Kopenhagener Gemeinde, sondern als den in Wien auferstandenen Lehrer des göttlichen Wortes, der das Seine dazu beigetragen hat, daß diese dem Judentume beinahe ganz abgestorbene Gemeinde wieder demselben ist gewonnen worden und als eine der tätigsten und eifrigsten im Dienste des Herrn steht." (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 1871, S. 248.) Im Sturmjahre 1848 waren es die im Stadttempel gehaltenen Predigten Mannheimers, namentlich seine vielgerühmte Rede am Grabe der Märzgefallenen (Rosenmann, Mannheimer, S. 137 bis 193), welche dem Judentum nach innen Festigkeit und nach außen Achtung