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Menorah · 1926-03-01 · Heft 3 (März 1926) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 3 (März 1926)
Article
Der Seitenstetten Tempel
Date
1926-03-01
Page
Seite 156 (sequence 8)
Language
German
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156 MENORAH den Sauerhof, das Engelsbad und durch seine feinste, volkstümlichste Schöpfung: die Weilburg, fast den architektonischen Charakter gegeben hat. Neben diesen Werken, die trotz ihrer konventionellen Korrektheit doch auch Anmut und einen beträchtlichen Sinn für die Landschaft, in der sie erscheinen, für ihre Form und Atmosphäre zeigen, hat Kornhäusel sowohl in Baden wie schon früher in Wien gelegentlich das einfache Wohnhaus behandelt. Auf diesem Felde wird man suchen müssen, was sich zum Vergleiche mit dem Neubau in der Seitenstettengasse eignet und sein besseres Verständnis vorbereitet. Denn gegen die Straße ist der Tempel ein typisches Altwiener Miethaus, nicht wesentlich anders als der Erstling unseres Meisters, das recht nüchterne, aber auch sehr sachliche und aufrichtige Hotel zur Kaiserin Elisabeth. Doch hatte die Aufgabe der Synagoge ihre besonderen technischen Schwierigkeiten. Das Terrain war abschüssig, verwinkelt und schmal. Man wird die alte Situation schon von dem Blatte der Innenstadt aus der großen, um 1770 gestochenen Wiener Perspektive von Daniel Huber ablesen können, die durch die Handzeichnung von Salomon Kleiner mit der Ansicht des Kienmarktes einigermaßen ergänzt wird (wiedergegeben in unserm „Historischen Atlas des Wiener Stadtbildes", beziehungsweise in unserm „Barocken Wien"). Näheres zeigen drei anonyme Aquarelle von 1810 in der Albertina: der Eingang in den Katzensteig und der von mehreren Schwibbogen überbrückte Engpaß in seinen beiden Richtungen. Durch ein von Zinnen bekröntes Tor, das kurz vor seinem Abbruch von Peter Fendi gezeichnet, von J. Axmann gestochen wurde (1823), geht es mit seichtem Schwung und steilem Anstieg die Gasse entlang bis dorthin, wo der Raum linker Hand zum Platze, dem Kienmarkt, sich weitet, während rechts die Stiege zur Donau abwärts führt. Man ist hier auf ältestem Wiener Siedlungsboden, die Gasse erklimmt das römische Lager, kein Wunder, daß die Freunde der Vergangenheiten die Ankunft des neumodischen Bauwesens gerade an dieser Stelle beklagten. Unter ihnen Adalbert Stifter, der seit 1842 hier gewohnt hat. Aber auch er muß zugeben, daß die Gasse, die den „romantischen Katzensteig" verdrängt hat, „prächtig" geworden ist. Und eben das war die Tat Josef Kornhäusels, der nach dem Dempfingerhof im Auftrage des Seitenstettner Stiftes auch den gegenüberliegenden Gamingerhof neugebaut und damit dem Katzensteig zu seinem neuen Namen und Aussehen verholfen hat. Das Tempelhaus zeigt ein kolorierter Kupferstich, der einem alten Album mit insgesamt 14 Illustrationen (Plänen, Durchschnitten und Ansichten des Gebäudes) beigegeben ist. Zwei

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