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Menorah · 1926-03-01 · Heft 3 (März 1926) · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 3 (März 1926)
Article
Der Seitenstetten Tempel
Date
1926-03-01
Page
Seite 153 (sequence 5)
Language
German
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DER SEITENSTETTEN TEMPEL 153 für den gemeinsamen Gottesdienst Verwendung finde. Es lag ganz im Sinne des Zentralismus, von dem sich die Repräsentanten als echte Herrenmenschen leiten ließen, daß die Verordnung aufs strengste in acht genommen werden mußte. Im Zuge dieser Dinge wurde Ende 1818 auch das Betzimmer im Hause des Großhändlers Ernst Wertheim, die älteste, mehr als hundertjährige Wiener Einrichtung dieser Art, auf Befehl der Landesregierung für den öffentlichen Gebrauch geschlossen. Infolgedessen war der Raum im Dempßngerhof sehr bald zu klein geworden. Die Verbindung zweier Stuben, deren Zwischenmauer beseitigt wurde, brachte seit September 1817 eine nur vorübergehende Erleichterung. Der Andrang nahm zu und begünstigte die Separationslust der Neuerungssüchtigen, die mit jedem Jahre dringlicher wurden. Im Juli 1821 ersuchen sie die Behörde um käufliche Überlassung des baufälligen und eben deshalb auch leer stehenden k. k. Lottohauses am Kienmarkt Nr. 460, im September desselben Jahres fassen sie für den nämlichen Zweck den unteren Passauerhof Nr. 366 ins Auge, lassen aber dann wieder davon, was der Kaiser „mit Vergnügen" zur Kenntnis nimmt, da diese Baustelle zu nahe einer Kirche sei. In dieser fatalen Lage kommt ihnen ein unerwartetes Ereignis zu Hilfe: der alte Dempfingerhof ist baufällig geworden, der Gassentrakt muß gestützt, den Mietparteien für den 1. Mai 1823 gekündigt und dann das Gebäude abgebrochen werden. Während die finanzielle Transaktion mit den verlosbaren Anteilscheinen im Gesamtbetrage von 100.000 Gulden glatt vor sich geht, wird gebaut. Am 26. Oktober wird das Projekt des Architekten Josef Kornhäusel angenommen und dem Stadtbaumeister Jacob Heinz die Ausführung übertragen, dem für seinen Teil der Stadtzimmermeister Mathias Jacks zur Seite stand. Nachdem die Arbeiten in den Jahren 1824 und 1825 ohne Unterbrechung fortgeschritten waren, konnte am 2. Tebeth 5586 (12. Dezember 1825) mit der von Ludwig August Frankl überlieferten Rede des neuen Predigers Isak Noa Maanheimer die Grundsteinlegung feierlich vollzogen werden. Die Einweihung des Tempels fand am Sonntag, den 9. April 1826, statt und findet sich in der von Johann Schick herausgegebenen „Modenzeitung" als ein ungewöhnliches Ereignis der Wiener Lokalchronik folgendermaßen beschrieben: „An diesem herrlichen unvergeßlichen Tage, welcher uns die entzückende Freude gewährte, Kaiser Franz, den allgeliebten, den uns neu Geschenkten, nach einer lebensgefährlichen Krankheit die erste Ausfahrt machen zu sehen, fand abends 7 Uhr eine religiöse Feierlichkeit im morgenländischen Geschmack statt: die Einweihung des

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