Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Der Seitenstetten Tempel
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
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DER SEITENSTETTEN TEMPEL 151 Der Katzensteig und seine Umgebung etwa 1770 nach der Perspektive von J. D. Huber {Aus M. Eisler: Historischer Atlas des Wiener Stadtbildes, Wien 1918, Staatsdruckerei) vor allem war es zu danken, daß schon Ende 1818 das Haus am Kienmarkt schuldenfrei geworden und sie waren auch sofort zu haben, als für den Neubau 1824 die respektable Summe von 88.000 Gulden darlehensweise gebraucht wurde. Aber derselbe tonangebende Kreis war in anderer, innerer Hinsicht für das Judentum eher eine Gefahr. Geführt von den Großhändlern, welche die Stellen im Kolleg der Repräsentanten fast ausschließlich innehatten, nannte er sich vor der Öffentlichkeit ,,die gebildete Klasse der hiesigen Israeliten". Anhänger der Aufklärung, war er nur folgerecht auch Anhänger der Assimilation. Selbst um den Preis des Abfalles. Denn die unentwegten Sachwalter der Assimilation verhehlten es sich nicht, daß der Abfall das Ende vom Liede sei. Wenn sie 1821 in einer Eingabe an die Landesregierung von manchen tolerierten Juden sprachen, „deren Kinder bereits zur christlichen Religion übergegangen sind" und die deshalb „nicht so lebhaften Anteil" an jüdischen Angelegenheiten nehmen, dann sprachen sie wohl in erster Reihe von ihren eigenen Standesgenossen. Diese Schicht will die Separation von der altgläubigen Mehrheit und betreibt eben deshalb zuvörderst die Anlage einer eigenen Betstubc und dann die Errichtung des neuen Tempels. In der Flut der Eingaben