Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die Wiener Juden 1826 - 1926
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 146 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912857-2917100--02897-2917199- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 MENORAH beiden Mecklenburg, Hessen-Darmstadt und Spanien. In dem Schiller- Festausschuß saßen L. A. F r a n k 1, Kuranda, Kompert und Mosenthal, der im Kultusministerium angestellt war, während sein Schwiegervater, Regierungsrat Weil, ein Amt im Ministerium des Äußern bekleidete und Sichrovsky vorübergehend als k. k. Rat im Departement der Eisenbahn arbeitete. Beim Militär wurden Juden bis zum General befördert. Zur Kennzeichnung der Lage sei auch auf die Juden in der Wiener Journalistik — das Wiener Feuilleton ist ja wie die Wiener Operette Wiener Spezialität — hingewiesen. So auf Friedländer, den Schwager Lassalles, den Mann, der die „Neue Freie Presse" zur Blüte gebracht hat, auf seine Nachfolger Bacher und Benedikt, auf Warren recte Wolf, den Herausgeber des Regierungsblattes „Lloyd", Herzl, den „Wiener Spaziergänger4' Daniel Spitzer und andere. Aus der Gegenwart sind einschlägige Namen jedem Wiener geläufig. Von Bahnbrechern auf dem Gebiete der Technik nennen wir: den Erfinder des Automobils Siegfried Markus, den des ersten lenkbaren Luftschilfes David Schwarz und den der elektrischen Kraftübertragung Josef Popper-Lynk e u s, auch als Soziologe und Essayist bedeutend. Aus früherer Zeit sei an den Konstrukteur eines Apparates zur Entdeckung von Lebensmittelfälschungen Jos. Manes Oester reicher (1756 bis 1832) erinnert. Als Forschungsreisende taten sich hervor Dr. Schwarz von der Novara-Expedition, EduardGlaser, Langer, D. H. Müller, der bekannte Orientalist der Wiener Universität, daneben Lehrer an der 1893 begründeten „Jüdisch-theologischen Lehranstalt". In diesem Zusammenhange erwähnen wir auch, daß die Kaiserin Elisabeth über die jüdische KinderbewTahranstalt, wie vor ihr die Kaiserin Carolina Augusta, das Protektorat ausgeübt und dieses Institut wiederholt besucht hat. Wie ein böser Geist aus einem Raimund sehen Märchenspiel verwandelte dieses sonnige Bild mit einem Schlage in eine froststarrende Winterlandschaft der brutale „Sozialismus des dummen Kerls von Wien". In einem Rohling, einem D e c k e r t und ihren Geistesbrüdern erhob mittelalterliche Judenverleumdung wieder ihr Medusenhaupt. Doch fand sie ihren Perseus in Dr. J. S. B 1 o c h. In Wort und Schrift, zuletzt in dem Standardwork der jüdischen Apologetik „Israel und die Völker", hat er gegen die Blutlügen und andere Giftpfeile des Judenhasses blanke Waffen geschmiedet und erfolgreich selbst gebraucht in Kämpfen, die das Aufmerken der ganzen zivilisierten Welt auf Wien lenkten. Zur Fortsetzung seines Werkes rief er die „Öster-