Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1926-03-01 · Heft 3 (März 1926) · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 3 (März 1926)
Article
Die Wiener Juden 1826 - 1926
Date
1926-03-01
Page
Seite 145 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912853-2912857-2917100--02896-2917198
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WIENER JUDEN 1826—1926 145 Perez Smolenski 1842—1885 „Dieses Buch ist die Grundlage der jüdischnationalen Bewegung". Wenn man heute die ersichtlich mit seinem Herzblut geschriebenen Romane und Aufsätze liest, mit denen dieser einsame Vorläufer H e r z 1 s der fortschreitenden Entjudung weiter Kreise seiner Umgebung zu steuern sucht, so gesellt sich die Empfindung sittlicher Größe dem ästhetischen Genuß, den seine Kunst bereitet. Seinem prophetischen Mahnen sollte gar bald das heraufziehende Unwetter des neuerwachten Antisemitismus kräftigen Nachdruck verleihen. Das liberale Wien, das 1861 einen Kuranda und einen Winterstein als seine Vertreter in den niederösterreichischen Landtag und den Reichsrat entsandt hatte, wurde zum Wien L u e g e r s. Der Kaiser hielt an der Konstitution fest. Bereits in den Sechzigerjahren war Anselm von Rothschild in das österreichische Herrenhaus berufen worden, der erste Jude, der in das Oberhaus eines Parlamentes Eingang fand. Ihm folgten Wertheimstein, Königs warter, der sein Judentum stets offen und mit schlagfertigem Witz betonte, sich auch um die Errichtung des großen Leopoldstädter Tempels (1858) erhebliche Verdienste erworben hat. Ferner die beiden Gomperz, Julius und Theodor, der feinsinnige Philologe, ein Forscher von Weltruf, wie Semmel weis, Stricker, Zeissl, Fleischl (dessen Büste in den Arkaden der Wiener Universität steht, Kaposi (Kohn), Politzer, Mor. Benedikt, Schnitzler, I s. Neu mann, Winternitz, O s e r, Zuckerk a ndl und K a s s o w i t z (im Ruhestände aus dem Judentum ausgetreten). Von Lebenden sei, als Begründer einer Schule, Freud genannt, sodann Hofrat G r ü n h u t, einer der hervorragendsten Wiener Juristen, zu denen auch Julius Ofner zählte, und andere mehr. Die Nationalbank (später Österreichisch-ungarische Bank) zählte zwei jüdische Direktoren, die Escompte-Bank drei jüdische Verwaltungsräte. Noch vor wenigen Jahren war T a u s s i g, früher Mitglied des Kultus- Vorstandes, Gouverneur der Bodenkreditanstalt. In der Wiener Handelskammer saßen zu Beginn des liberalen Kurses sechs Juden. Durch jüdische Handelskonsuln war Österreich in Paris, London, Aleppo, St. Helena und Kapstadt vertreten, in Wien: Preußen, Bayern, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.