Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die Wiener Juden 1826 - 1926
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 142 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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142 MENORAH fessionelle Unduldsamkeit eines Teiles der Wiener Bevölkerung auf der anderen Seite gekämpft. Der Wiener Gemeinderat bestärkte sie in ihrer Standhaftigkeit. Trotz der judenfeindlichen Maßnahmen der von Bach, dem Konkordatsminister, inspirierten Regierung, beschlossen die Wiener Stadtväter im Dezember 1852, den Juden die Zuständigkeit zu gewähren. An vorderster Stelle in diesem Kampf der Wiener Juden sehen wir eine Lichtgestalt, wie Josef Wertheimer, der sein ganzes Leben der äußeren und inneren Emanzipation seiner Brüder sowie der Begründung wohltätiger Anstalten widmete. Seine Schöpfung ist unter anderen die noch heute bestehende „Israelitische Kinderbewahranstalt", deren Eröffnung 1843 Grillparzer in einem Sonett gefeiert hat. Im Geiste Wertheimers wirkt in der liberalen Ära Ignaz Kuranda, der beste Typus des Juden der franciscojosefinischen Zeit. Auch ihn hatte, als Achtundvierziger, Metternich aus Österreich verscheucht. Nach den Revolutionsstürmen in die Heimat zurückgekehrt, wurde er von den Deutschen Böhmens in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, später Gemeinderat und Ehrenbürger von Wien. 1871 wurde ihm das Präsidium der Wiener Kultusgemeinde anvertraut. „Rein und makellos habe ich mein Mandat verwaltet und rein und makellos werde ich es wieder in Ihre Hände zurücklegen." Diese Worte aus seiner letzten Kandidatenrede vor den Wählern der Inneren Stadt kennzeichnen Kuranda als Repräsentanten des österreichischen Judentums, würdig, in der Geschichte neben einem Riesser, Montefiore und Cremieux zu stehen. Diesen politischen Fortschritten entsprach ein gewaltiger wirtschaftlicher Aufschwung der Wiener Juden. Die Freizügigkeit hatte zur Folge, daß die großen Engrossisten und Fabrikanten der Provinz, besonders in der Wollbranche, ihre Zentralen nach Wien verlegten. Die Börse blühte auf. Während noch ein Biedermann sie verpönt hatte, gewannen jetzt ihre Vertreter an Einfluß in Gesellschaft und Gemeinde. Die Gewerbefreiheit (1859) öffnete den Juden den Weg zum Detailhandel. In der Konfektion — M o 11 k e rühmt gelegentlich einen bekannten jüdischen Schneider Wiens —, in der Wäsche- und Schirmfabrikation sowie im Bankwesen nehmen Juden eine beachtenswerte Stellung ein. Eine große Anzahl von Industrien und ein Kohlengeschäft gründet, zum Teil im Verein mit seinem Bruder, Wilhelm Gutmann. In ihm lebte Geist vom Geiste der jüdischen Reichen der Vorzeit. Auf Anregung Jellineks finanziert er in Gemeinschaft mit Bernhard Pollak jun. 1863 das Wiener Bet Ha-midrasch. an dem, neben J e 11 i n e k, W e i ß und Friedmann eine große Anzahl