Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 3 (März 1926)
- Article
- Die Wiener Juden 1826 - 1926
- Date
- 1926-03-01
- Page
- Seite 138 (sequence 5)
- Language
- German
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138 MENORAH liehen Studenten". Jene Juden aber, die in der Freiheitsbewegung eine führende Rolle übernahmen, wurden von rein idealen Beweggründen geleitet. So der Arzt Fi schhof und der Chemiker Goldmark1). Am 13. März 1848 fielen die Juden Spitzer, ein junger Techniker, Sohn eines Angestellten des Hauses Auspitz-Gomperz in Brünn, und Kersch mann, in den Oktoberkämpfen acht weitere jüdische Opfer. Auch der Tempel in der Seitenstettengasse wäre fast Zeuge eines blutigen Auftrittes geworden, indem Graf Colloredo, ein von den Aufständischen verfolgtes Mitglied der Regierung, sich in dem Nebenhause versteckt hatte. Dr. Hermann J e 11 i n e k, ein Bruder des bekannten Meisters jüdischer Kanzelberedsamkeit, dessen flammende Predigten manchem Juden eine zweite Bibel wurden, ein harmloser Schwärmer, mit dem Männer, wie HeinrichLaube und andere gern philosophische Gegenstände erörterten, fiel unter der sinnlosen Rachewut der Reaktion. Josef Goldmark, der Bruder und Erhalter des Komponisten der „Königin von Saba", mußte unter falscher Beschuldigung fliehen, um nach Jahrzehnten, in dem wieder aufgenommenen Verfahren freigesprochen, nach Wien zurückzukehren. Adolf Fisch hof, ein Charakter von antiker Größe, wie berufen, den Nationalitätenstreit in Österreich zu überwinden, rastlos und selbstlos um die Hebung der Volksmassen und die Befreiung des Bauernstandes bemüht, mußte eine neun Monate lange Untersuchungshaft über sich ergehen lassen und blieb unschuldig bis 1867 aller bürgerlichen Ehrenrechte verlustig. Der Mann, von dem Lueger 1885 im Wiener Gemein derate erklärte: „In diesem Saale sitzt kein einziger, der sich an Integrität des Charakters und an Verdiensten um die Stadt Wien mit Adolf Fisch hof messen könnte". Die Sonne der Freiheit schien für die Juden Österreichs aufgegangen, als der junge Kaiser Franz Josef am 4. November 1849 in der oktroierten Verfassung die Emanzipation der Juden ausgesprochen hatte. Der leitende Staatsmann Fürst Schwarzenber g fühlte nach eigenem Geständnis eine Scheu, das Schicksal aller Judenfeinde seit Pharao zu teilen. Der Gegensatz zwischen wirtschaftlicher sowie sozialer Bedeutung und staatlicher Verfemung der Wiener Juden war auch so beschämend, daß man der preußischen Regierung auf eine Anfrage über die politische Stellung der Juden in Österreich ausweichend antwortete und die Änderung des Titels „Judenamt" in Aussicht genommen hatte. Im Handel und Bankwesen, zum Teil auch l) Er wird als Entdecker des roten Phosphors genannt.