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Menorah · 1926-03-01 · Heft 3 (März 1926) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 3 (März 1926)
Article
Die Wiener Juden 1826 - 1926
Date
1926-03-01
Page
Seite 137 (sequence 4)
Language
German
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DIE WIENER JUDEN 1826—1926 137 wandfreien Aufenthaltes kurzer Hand von der Polizei aus Wien ausgewiesen zu werden. Auch die Toleranz war an die Person geknüpft. Starb ein Tolerierter, so war seine ganze Familie heimatlos. Man begreift, daß bei einem Brande diese Tolerierten mit Lebensgefahr vor allem den Toleranzbrief zu retten suchten. Er war mehr als ein Adelsbrief, er war ihr Lebenselement. Der jüdische Bankier M. L. B i e d e rmann hatte zur Linderung der Hungersnot im Jahre 1816, in einer Zeit allgemeiner Geldknappheit, als einziger sich bereit gefunden, dem Kaiser 300.000 Silbergulden vorzuschießen, und angesichts des wohltätigen Zweckes auf jede Verzinsung verzichtet. Er sollte geadelt werden. Als er statt dessen für seine Kinder die Toleranz erbat, wurde er abgewiesen. Es war die Zeit, in der man in Österreich dem Juden leichteren Herzens die mit einem Adelspatent verbundenen Vorrechte als ein M enschenrecht gewährte. Als der Großindustrielle P o r g e s, der Stammvater der Familie Portheim, nach Prag übersiedeln wollte, wurde ihm dieser Akt von Freizügigkeit verweigert, zum Trost ihm aber der Adel verliehen. Einen Meyerbeer scheute man sich doch, als er 1847 nach Wien kam, mit der Judenbollette zu behelligen. Er sei, hieß es, eben nicht Jude, sondern Kavalier. Moscheies wurde in Wien zugelassen, nicht als Jude, sondern als „europäische Berühmtheit". So sollte die Tragödie des Judenleides auch des Satyrspieles nicht ermangeln. Die erste Wendung zur Besserung der politischen Stellung der Juden in Österreich brachte das Sturm jähr 1848. Unbeschreiblich ist die Begeisterung, mit der im ganzen Reiche die Losung: „Konstitution, Preßfreiheit, Nationalgarde" aufgenommen wurde. Josef Unger (wie sein Kollege, der große Jurist Glaser, jüdischer Herkunft) kennzeichnet diesen Wandel mit den Worten: „1828 bin ich geboren, das Licht der Welt erblickte ich 1848". Daß wir auch unter den Freiheitskämpfern eine Reihe von Juden finden, kann nach dem Drucke, der auf ihnen lastete, niemanden befremden. Gegner der Revolution wollten den Aufstand nur als „Hungerrummer' des in Wien beispiellos leidenden Proletariates gelten lassen. Aber über die Häupter der damals tonangebenden Studentenschaft, besonders die Juden, entlädt sich die ganze Schale ihres Zornes. F ü s t e r, der mit genauer Kenntnis jener Verhältnisse das unvergleichliche Elend jener Studenten schildert, betont aber: „Die meisten Armen fand man unter den Juden. Den jüdischen Studenten standen die gewöhnlichen Erwerbsquellen der Studierenden, die sogenannten Instruktionen, das Lektionengeben, wegen des Religionsvorurteiles nicht in dem Maße offen als den Christ-

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