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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 115

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Telschi
Date
1926-02-01
Page
Seite 115 (sequence 4)
Language
German
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T E L S G H I 115 Briefen. Und ist nicht schon Poesie genug in einem Erzählen wie diesem: „Jetzt sind die Felder hier schon grün. Bei euch sind die Fenster noch zugefroren; hier stehen frische Blumen auf dem Tisch. Der Vater hämmert am Stall und Benjamin lernt. Ich lege dir eine Blume aus unserem Weingarten bei." Die Jeschiwah-Bachurim aber haben überhaupt außerhalb des Studiums kein anderes gemeinsames Interesse als unser Land. Ja, es kann geschehen, daß nach dem Lernen in der Jeschiwah selbst „Erez Israel Nays" verlesen werden. Als man erfuhr, daß in Palästina ein relativ strenger Winter sei, wurde von nichts anderem gesprochen, um nichts anderes gebangt. Die Regierungsbeschlüsse in Litauen — und sie sind wahrlich den Juden nicht zu freundlich — verlieren ihre Bedeutung der Tabakernte im Lande" gegenüber. Oft habe ich es morgens in der Jeschiwah gehört: Dort, dort geht man jetzt aufs Feld. — Und wir? Beth Hamidrasch-Juden sind Landarbeiter geworden! Oft scheint die Vorstellung, das Bild allein, absurd. Ich hatte eine Verkehrskarte von Europa und Vorderasien bei mir. Fast jeden Abend wurde der Tisch abgedeckt und die Karte ausgebreitet. Dann nagelten die dünnen Finger, die großen Augen, zwei Punkte fest. Litauen und Jaffa. Und alle möglichen Wege fuhr der Finger über die Länder, dem Ziele immer erwartungsvoller zustrebend, und doch — um die Vorfreude zu verlängern — zögernd. Einmal zeigte so einer, unter stückhafter, halb sinnloser Rede den Weg auf der Karte. Als dann der Finger die Küste erreicht hatte, griff er sich an den Kopf und sagte: „Man kann das doch gar nicht fassen . . . Wirklich auf den heil. Boden treten ... mit diesen Füßen. Die Begriffe gehen einem ja aus." Einige gibt's, die die Mittagspause dazu benützen, im Garten" hinterm Hause zu arbeiten. Wenn man sie fragt, warum sie sich mit der Erdarbeit beschäftigen, so antworten sie: Man muß sieh vorbereiten. Oft saßen wir zusammen, nach langem Sprechen, schweigend. Da fuhr einer in der Stille auf: Juden, was soll mit uns werden? Wir werden doch nicht hinkommen, wenn wir nicht noch heute gehen. Einer pflegte, in einen Predigtton verfallend, zu sagen: Es gibt zwei Kräfte. Das Ziehende und das Treibende, beides sind Kräfte des heil. Landes. Und wenn die Zugkraft nicht ausreicht, Juden, das sage ich euch, so wird man euch treiben. Mit Pogromen, offenen und versteckten. Aber gehen müßt ihr.

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