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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Telschi
Date
1926-02-01
Page
Seite 114 (sequence 3)
Language
German
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114 MENORAH Am Sabbat nachmittag vor der Dämmerstunde findet man sich zu vieren und fünfen in einem Quartier ein. Mit Tee und Äpfeln wird man bewirtet. Ein Thema wird zur Besprechung gestellt. Zum Beispiel: Wie verhält sich der Jude zum Schönen im Sinne der Kunst? Langsam fließt Rede und Widerrede. Das Schweigen der Tages-Scheidestunde unterbricht es immer wieder. Endlich hat eine Melodie wie von selbst sich hineingemischt. Alle singen gedämpft mit. Stützen den Kopf in die Hand und schließen die Augen. Leiser, immer leiser wird das Singen. Dann verstummt es ganz. Da öffnet einer die Augen, sieht, daß schon Nacht ist und unterbricht die Stille: ,,Juden, Hanhala!" Und noch Melodie auf den Lippen geht man langsam zum Abendgebet zum Raw. Was für ein Faktor im jüdischen Leben der Gasse und der Stube Palästina ist, davon sich einen Begriff zu machen, dürfte schwer sein. Es stehen nicht nur alle in Bereitschaft nach dem heil. Land zu gehen, sondern jeden Tag setzt einer den Wunsch in die Tat um. Diese Krämer mit ihren halbleeren Holzhäuschen bringen es fertig, von einem reichen Verwandten in Amerika, Afrika oder irgendwo sich ein kleines Kapital zu verschaffen und nach Palästina zu gehen. Nicht um dort ein pekuniär besseres Leben zu führen, sondern einzig und allein um der Gewißheit des Im-Land-Seins willen. Nicht mehr Einzelerscheinungen sind das, man kann ohne zu übertreiben sagen, daß alle, ohne Ausnahme, sich mit irgend einem mehr oder minder zu verwirklichenden Plan tragen, ins Land zu kommen. So hat schon jeder palästinensische Verwandte, und wenn der Briefträger etwas von ,,drüben" bringt, öffnet der glückliche Empfänger inmitten der Gasse, umstanden von Nachbarn und Nachbarinnen jeden Alters, das Schreiben. Im Ton einer öffentlichen Bekanntmachung, an der alle gleich interessiert sind, verliest er feierlich: ,,Wir haben ein Feld gekauft. Fünfzig Dunum. Morgens gleich nach dem Gebet gehen wir hinaus. Auch eine Kuh wollen wir kaufen. Der Vater erholt sich zusehends. Er steht den ganzen Tag mit der Hacke und arbeitet. Abends lernt er. Sagt allen, sagt der ganzen Welt, daß jeder Tag „dort" ein verlorener ist, wie jeder hier ein gewonnener." Prosaische, alte Kaufleute, Mütter, die nie die Feder benützt haben als zu trockenen Berichten von Tatsachen, werden Poeten in diesen

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