Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Telschi
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 113 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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T E L S C II I 113 Sabbat im Städtchen auf das auszusprechende Wort und jedesmal, wenn er an mir vorbeikommt höre ich einen Satz aus Schir Haschirim. Oben an der Ostwand steht Reb Ghajim mit hoher Pelzmütze, den langen grauen Bart mit seinem unteren Ende im Rock versteckt, das Gesicht sabbatlich strahlend, vor sich einen großen Talmudband. Um ihn herum diskutiert man eine schwierige Frage, aber nicht mit dem ganzen Maß von Aufregung wie sonst — auch darauf hat sich eine feierliche Gelassenheit gelegt. Meir, der Schammes, mit seinem langen, schwarzen Rock und seiner blauen Schildmütze prüft noch einmal die Petroleumlampen nach und rückt dann seinen Ständer unter die größte von ihnen, sein zerlesenes „Thillim" aufschlagend. Allmählich wird das Rauschen im Raum so stark, daß es förmlich nach einer feierlichen Unterbrechung ruft. Da tritt der Raw mit hohem Zylinder, halbgebeugtem Kopf in die Jeschiwah. Alles wird still und folgt mit den Augen dem Rebben, der, kaum auf seinen Platz gelangt, das Zeichen zum Beten gibt. Und einer der Bachurim tritt vor den Schrein und schon ist aus dem chaotischen Durcheinander der Auf- und Abgehenden, Diskutierenden und Singenden ein musterhaft geordnetes Ganzes geworden. Stille. Der Atmosphäre, die von Erwartung angefüllt war, Erwartung des Sabbat, der Braut wird mit einem Wort die Erfüllung gegeben: ,,Borchu!"