Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Was Caesarius von Heisterbach von den Juden seiner Zeit zu erzählen weiß
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 103 (sequence 2)
- Language
- German
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WAS GAESARIUS ZU ERZÄHLEN WEISS 103 mädchen. Ein junger Geistlicher, ein Verwandter des Bischofs, verliebt sich in sie und wird von dem Vater des Mädchens in flagranti ertappt. Er fährt ihn an: „Was machst du hier, du schlechter Christ? Wo ist dein Glaube, deine Frömmigkeit? Nach Gottes des Gerechten Ratschluß bist du in meine Hände gegeben." Am nächsten Tage strömen die Juden in die Kirche, um sich bei dem Bischof über seinen Verwandten zu beklagen. In höchster Not wendet sich der Jüngling im Gebete an seinen Schöpfer, und Gott hilft ihm. Der Bischof wunderte sich, was die Juden in der Kirche suchten, aber sobald sie den Mund öffnen wollten, um sich über den Geistlichen zu beklagen, da verstummten sie und standen mit aufgesperrten Mäulern da. Der Jüngling aber beichtete seine Schuld dem Bischof, erhielt Verzeihung und trat später in den Orden der Zisterzienser ein. Eine andere Geschichte berichtet wiederum von einem Kleriker, der sich in die schöne Tochter eines Wormser Juden verliebt. Ihre Beziehungen bleiben nicht ohne Folgen, und man ist in Verlegenheit, was man tun soll. Der Jüngling aber tröstet seine Freundin und sagt ihr, was auch immer komme, solle sie bei der Behauptung bleiben, daß sie eine Jungfrau sei. Er aber geht nachts durch die Stadt und ruft durch ein Rohr: „Oh, ihr Gerechten und im Herrn Geliebten" (und nannte sie bei Namen) „freuet euch, denn eure Tochter wird als Jungfrau einen Sohn gebären, den Befreier eures Volkes Israel!" Die Judenschaft des Ortes gerät in die größte Aufregung, und nicht nur in Worms, sondern auch in den benachbarten Orten spricht man von nichts anderem, als von der Geburt des zukünftigen Messias. Als der Tag nahe war, an dem das Mädchen gebären sollte, da strömten die Juden in dem Hause zusammen, „um sich an der Menschwerdung des lange Ersehnten zu erfreuen. Aber der gerechte Gott wandelt die törichte Hoffnung der Ungerechten zum Schaden, ihre Freude in Trauer, ihre Erwartung in Beschämung ..." Die Stunde kam, zu der die Unglückliche gebar und wie gewöhnlich bei den Frauen, gab es Schmerz, Stöhnen und Geschrei. Endlich war das Kind da, aber nicht der Messias, sondern ein Mädchen. Da waren die Juden arg beschämt und betrübt. . . Die Mutter aber gestand unter der Tortur die ganze List. Schließlich erzählt uns ein drittes Märchen, wie ein Judenmädchen in Linz sich nach der Taufe sehnte und wie ihre Mutter sie dem Judentum erhalten will. Das Mädchen aber läßt sich doch im geheimen taufen und begegnet nachher der Mutter. Es entspinnt sich folgendes Gespräch: „Liebes Kind, kehr' zum Judentum zurück." „Das kann