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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Der steinerne König
Date
1926-02-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 MENORAH assyrischen Kosmetiker kommen lassen, deshalb hatte er die Eroberungszüge unternommen, um zu lernen, wie man herrscht. Der König befahl, daß man ihn abschminke. Staunend gehorchten die Diener. Ungeschminkt und mit schlichtem Haar empfing er die Gesandten, heimlich spähend, ob sie ihm weniger Ehrfurcht erweisen würden. Aber sie beugten das Knie wie immer. Sie wechselten die Farbe vor seinem herrischen Blick. Als der Empfang beendet war, war David zufrieden. Die Nabatäer hatten die neue Grenze zugestanden. Der grelle, sonnige, staubige Tag stürzte sich auf den König. Er vergaß, auf die Wirkung der geänderten Tracht zu achten. Fortwährend kamen schweißtriefende Läufer mit Botschaften. Hohe und niedere Beamte traten an, gaben Rechenschaft über Straßenbauten, Zollgefälle, Bergwerke, Salzsiedereien, in allen Provinzen des Reiches. Er verglich Lohnsummen, Kosten, Erträgnisse, strafte, belohnte. Immer standen mehrere gleichzeitig vor ihm. Aber jeder hatte die Überzeugung, daß der König seine ganze Aufmerksamkeit, sein durchdringendes Auge nur auf ihn richtete, daß ihm nichts verborgen blieb, daß alles Heimliche, jede Lässigkeit offen vor ihm lag. Das Innere des Knechts mußte sich krümmen, Besserung geloben, angespanntesten Zielwillen, wenn der König nur diesmal noch gnädig sein wollte. David schickte die Landpfleger und Hauptleute fort, weil sich der oberste Baumeister melden ließ, der jederzeit Zutritt hatte. Er berichtete bestürzt, daß der Weiterbau des Tempels gefährdet sei, weil die Arbeiter beim Graben der Fundamente auf heiße Quellen gestoßen wären. Des Königs eingesunkene Augen begannen zu leuchten. Er ließ die Baurisse herbeischaffen, ließ dem wartenden Absalon ausrichten, daß er heute keine Zeit mehr für ihn habe, und zeichnete gemeinsam mit dem Künstler, bis tief in die Nacht, den ursprünglichen Plan umstoßend, einen neuen Entwurf, wie man den kochenden Sprudel fassen sollte und wie das dampfende, siedende Wasser, in Kaskaden gebändigt, herabrauschen sollte, durch alle Hallen hindurch, bis in ein großes, marmornes Quellbecken im Vorhof der Heiden. Als Absalon den Bescheid des Königs vernommen hatte, warf er die Tür des Vorraumes schallend zu und rannte die Stiegen hinunter, den hübschen roten Mund trotzig verzerrt. Er lief in die Schenke zu den Freunden, die ihn jubelnd empfingen. ,,Für jeden Lumpen hat mein Vater Zeit, für mich nicht!" schrie er. Die Genossen waren beim Würfelspiel. Er würfelte mit und verlor. „Borgt mir Geld", rief er rauh lachend. „Wenn ich König bin, werd' ich's euch zahlen!" Die Zechenden schrien begeistert: „Es lebe unser König Absalon!" Dann

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