Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Der steinerne König
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
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Der steinerne König Erstes Kapitel einer Davicls-Novelle Von Walter Eidlitz König David saß bewegungslos in seinem Armstuhl und überließ sich vollkommen den Händen der assyrischen Sklaven, die ihn ankleideten zum Empfang der fremden Fürsten. Die Zeit, da sie ihm Arme und Gesicht mit Schminke belegten, ihm die langen Haare mit Goldstaub durchtränkten, daß sie starrten wie eine schwere Goldhaube, war die einzige Erholungsstunde des Tages. Da wurde kein Bote vorgelassen, mit guter oder schlimmer Nachricht, da ließ er keinen Gedanken an sich heranflattern; entspannt, aber mit wacher Kraft ruhte er sich aus. Aber schon spürte er das steife Gewebe des Prunkmantels um seine Schultern gelegt und der Kämmerer schloß eng den Kronreif um seine Stirn. Auf seinen Wink hielten die gebückten Äthiopier den hohen, geschliffenen Metallspiegel vor ihn hin. David betrachtete die starre Gestalt, die ihm als Spiegelbild gegenübersaß. Sie ähnelte wahrhaftig den in Fels geschnittenen Reliefs der Könige und Götter in den eroberten Ländern. Jetzt dachte er an die gewonnenen Schlachten, an den beendeten Siegeszng ins Zweistrom- Land. Er fühlte voll Behagen, wie ihn das Blut warm durchrollte. Er wippte federnd mit den Zehen auf dem Schemel und reckte die Arme. Das Götterbild im Spiegel hob prächtig den edelsteinfunkelnden Mantel. David dachte an seinen Sohn Absalon und runzelte die Stirn. Die Stirn im Spiegel blieb glatt. Er zwang sich zu einem Lächeln. Die Schminke deckte auch das zu. Das Gesicht drüben im Spiegel blieb leblos. Obwohl er sich seit vielen Jahren auf die gleiche Weise schminken ließ — damit er sich niemals durch sein Mienenspiel verriete — erschrak er immer von neuem über die hieratische Göttermaske. Lang saß er in dem leeren, dämmernden Saal und betrachtete sein Spiegelbild. Er dachte: das ist der König von Israel und Juda und Moab und Edom und Damaskus. Stark ist der König. Seine Schuhe sind aus Erz. Gewaltig tritt er auf den Nacken seiner Feinde! Er dachte schauernd: ich selbst bin der König. Das Standbild im Spiegel sah ihn unverwandt an. Kälte ging von ihm aus. Aber es war gut so. Gut, daß ihn die Maske ganz umhüllte. Das hatte er gewollt. Das hatte sein müssen. Deshalb hatte er die