Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Ein Waisendorf in Palästina
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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EIN WAISENDORF IN PALÄSTINA 95 Schefeja: Die Waisen bei der Arbeit mit ihren Familien teilten das Mahl, sondern auch die Vorsteherin, Miß Sophia Berger, eine Amerikanerin von feinster Bildung und in den besten Verhältnissen, die in ganz selbstloser Hingebung Schefeja und das von südafrikanischen Zionisten erhaltene Knabenwaisenhaus von Giwath Hamoreh (Upper Balfouria) verwaltet, speiste, mit den Mädchen zusammen. Es war ungewöhnlich frugal, denn am Freitag wird die Hauptmahlzeit am Abend genossen, aber die Suppe war reichlich und schmackhaft, den hartgekochten Eiern, die vom Geflügel des Hauses stammten, wurde eifrig zugesprochen und das von den Waisen hergestellte Brot war ein Leckerbissen. Und dieselben Kinder finden Zeit und Gemütsfreiheit, den von vier Lehrkräften erteilten Volksschulunterricht aufzunehmen und zu verarbeiten. Eine jüdische Schule in Palästina zu besuchen ist immer eine Unterhaltung: der „Moritzl" unserer Witzblätter zeigt sich hier liebevollen Augen, und siehe da! er ist weder vorlaut noch frühreif, weder spitzfindig noch gerissen — einfach ein gewecktes Kind, das mit glänzenden Augen dem Lehrer folgt, uneingeschüchtert von Spott und schlecht verborgenem Übelwollen, Fragen stellt, wo die Sachlage zu Fragen herausfordert, und eifrig gestellte Fragen beantwortet, schon deshalb, weil er sicher ist, seinem Lehrer damit Vergnügen zu machen. Freilich meldet sich oft genug die ganze Klasse, freilich platzt manchmal ein besonders temperamentvolles Kind ungefragt mit seinem Wissen heraus; aber ich habe nicht gesehen, daß dadurch die Würde des Unterrichtes gelitten oder daß die Zucht Schaden genommen hätte. Teilnahmslose Schülerinnen habe ich in keiner Klasse gefunden. Die Dame hatte ganz recht, wenn sie sagte, daß sie ihre eigenen Kinder diesem Hause anvertrauen könnte, aber ich glaube, ich kann auch ihre Empörung verstehen. Es geschieht seitens des Vorstandes so