Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Studie zum Buche Ruth
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 84 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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84 MENORAH darzustellen, versteht sich; sie benützen natürlich alle talmudischen und Midrasch-Traditionen. Nicht uninteressant ist die Bemerkung Samuels di Osida (im Kommentar Iggereth Schmuel): ,,ich sage, nachdem der Hauptzweck dieses Buches ist, die Abstammung Davids darzustellen und aus dem Zusammenhange der Erzählung klar ist, daß die Vorgänge eine Fügung Gottes sind, so stört es auch nicht, daß im Verhalten Ruths die strenge Grenze der Keuschheitsgesetze nicht ganz beobachtet ist (Kesath perizuth); auch Perez war Sohn der Thamar, die für eine Buhlerin gehalten worden war, und trotzdem entstammten ihr Gerechte und Fromme." Daß die ursprüngliche Unfruchtbarkeit Ruths (es fehlt ihr die Gebärmutter) wunderbarerweise behoben wird, stellt sie in eine Reihe mit Sarah, Rahel, Hannah. 5. Aus dem Komplex der an Ruth sich knüpfenden Überlieferungen der hebräischen Antike ergeben sich folgende Momente. Ruth wird auf wunderbare Weise, durch göttliche Fügung, obwohl sie Moabiter in ist, die Gattin Boas. Ihre Verbindung mit ihm geschieht auf ungewöhnlichem Wege. Sie wird Urgroßmutter des Königs David aus dem Hause Isai, dem der künftige Messias entsprossen sei. Sie ist ,,M utter" im höheren, mystischen Sinne des Wortes und wird es auf nicht gewöhnlichem Wege. Schon im Mutterschoß e ist ihre Nachkommenschaft geweiht. In ihrer Ahnen - reihe ist Thama r, die vermeintliche „Kedeschah", deren Geschichte und Schicksale sie in die Reihe der Mütter versetzt, die dazu bestimmt sind, auserwählten Nachkommen das Leben zu geben. Sie ist, gleich Ruth, reinzusprechen von Schuld und Verfehlung. Neben Ruth und Thamar erscheint nicht ohne Grund Rahab (die wirkliche Zonah), die Stammutter von Propheten wird. Es ist von Bedeutung, daß Ruth lebt, bis sie Salomos Urteilsspruch über die beiden Buhlerinnen gehört ha t; oder sollte diese Annahme der Volksüberlieferung Zufall sein? Alle drei, Thamar, Rahab und Ruth sind von der geschichtlichen Vorsehung dazu ersehen gewesen, großer Menschen und Erlösung bringender Geschöpfe U r m utter zu werden, in deren Leben in gewissem Sinne ein Mysterium waltet. Sie haben göttlichen Charakter, Göttinnen-Typus, wenn man so sagen darf, und gehen letzten Endes auf die Göttinnen -Mütter zurück, die Typen der wunderbaren Fruchtbarkeit sind.