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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Studie zum Buche Ruth
Date
1926-02-01
Page
Seite 83 (sequence 6)
Language
German
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STUDIE ZUM BUCHE RUTH 83 4. Ruths Weg zu Boas und die Art ihrer Annäherung an den Löser und zukünftigen Gatten ist schon im Originaltext der Erzählung merkwürdig genug. Die züchtige Frau befolgt den Rat der Naomi genau und ist sich offenbar des Auffallenden ihrer Handlungsweise nicht bewußt. Naomi aber kennt Brauch und Sitte und verfolgt ihr Ziel. Einwandfrei keusch und züchtig aber ist das Vorgehen Ruths nicht. Das empfinden die alten Erklärer deutlich und geben ihrer Meinung in verschiedenen Andeutungen Ausdruck, Sie ist so schön, daß jeder, der sie sieht, von Leidenschaft erregt wird (Ruth r. 4, 4.) Der Gang Ruths zu Boas wird durch folgende Betrachtung beleuchtet. „Und sie ging hinab z urTenne (Ruth III, 6). „Gegen Moab ist Jerem. 48, 30 geschrieben. Ich kenne, spricht der Ewige, seinen Zorn (Ebratho- Ibburatho) und unehrlich ist sein Gerede." Rab Huna sagte: Der Anfang der Empfängnis Moabs war nicht um der Buhlerei willen, sondern aus reiner Absicht, denn es heißt (Jerem. 48, 40): „nicht so taten seine Sprößlinge"; nicht in reiner Absicht, sondern aus Buhlerei, wie Num. 25, 1 berichtet wird: „und als Israel in Schittim wohnte, da begann das Volk zu buhlen". R. Simon sagte: Der Anfang der Empfängnis Moabs war nicht aus reiner Absicht, sondern aus Buhlerei, wie es heißt (Jer. 1, c) „und wie seine Empfängnis, so taten seine Sprößlinge nicht. Seine Sprößlinge taten nicht aus Buhlerei, sondern in reiner Absicht", wie Ruth 3, 6 gesagt ist: „und sie ging hinab zur Tenne, und tat nach Allem, was ihre Schwiegermutter ihr geboten". (Ber. r. 51. Ruth r. 5, 16.) Damit soll offenbar die in der Erzählung so sonderbare Art der Annäherung gerechtfertigt werden und findet Fortsetzung in dem Zwiegespräche, das Boas und Ruth in den Mund gelegt wird. „Wer bist du, ein Geist, oder ein Weib? sie sagte: ein Weib. Bist du eine Ledige oder eines Mannes Weib? Sie antwortete: ich bin ledig. Bist du unrein oder rein? Sie sagte, ich bin rein. Und siehe, die reinste von allen Weibern lag zu seinen Füßen, wie es heißt: Ich bin Ruth, deine Magd; und so breite deine Flügel aus über deine Magd. B. Berech ja sagte: Verflucht seien die Frevler." In Genes. 39, 12 heißt es: „Und die Frau Potiphars erfaßte ihn an seinem Kleide und sprach: schlafe bei mir; aber hier heißt es: breite deine Flügel aus über deine Mag d." (Ruth r. 6.) ,,Drei ermannten sich, als die Leidenschaft sich ihrer bemeistern wollte, Joseph, David und Boas." Daß sich alle alten Erklärer eifrig bemühen, Ruths Vorgehen als durchaus korrekt und begreiflich

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