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Menorah · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Article
Telschi
Date
1926-01-01
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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TELSCHI 41 und des inneren Menschen, leise Anklage, sanftes Zurechtweisen spricht aus diesen Mußar-Büchem. Und alle spüren das. Die Gedanken werden in Bahnen des Prophetenworts gelenkt, und das setzt sich auseinander mit all unseren Trieben und uneingestandenen Wünschen, Allmählich wächst das Summen wieder, die Mienen zeigen sich noch mehr auf das Wort konzentriert als früher. Mich hat es aus dem Rauschen dieser Stunde immer angeklungen wie eine alte Geschichte von Levi Jizchack aus Berditschew, der jeden Abend die Werke des Tages prüfte und um jeden Mangel Buße tuend sprach: „Levi Jizchack wird es nicht mehr tun!*' und dann zu sich redete: „Levi Jizchack, das hast du doch auch gestern gesagt!" Und wieder: „Gestern hat Levi Jizchack nicht die Wahrheit gesprochen, aber heute spricht er die Wahrheit!" Und das Singen steigt •— die Rechenschaft über den Tag wird immer aufrichtiger abgelegt, es wird immer aufrichtiger bereut. Nichts hat dieser Mußar mit der Selbsteinkehr klösterlicher Büßpredigten gemein, nichts mit der Selbstpeinigung des „reuigen Sünders"; immer liegt es darin, wie ein zuversichtlich triumphsicheres: „Levi Jizchack wird es nicht mehr tun, heute spricht er die Wahrheit!" Mag sein, daß es in der Melodie liegt — aber wo anders kennt der Sünder beim An die Brust-Schlagen ein Singen, wie dies? Ist es dann zum Gipfel gestiegen, das melodische Wellenschlagen des Mußar, kommt es uns vor, als spritzt es und schäumt es, immer hastiger, immer höher, so wird's mit einem Schlag der Hand auf die lÜmah unterbrochen — Maariw. Wo könnte wohl das Abendbeten so den einzelnen mit hinaufreißen als dort auf den Bänken der Jeschiwah? Wo werden die Worte wohl inhaltserfüllter, wo das Beten der Gemeinde wirklicher als hier? Nach dem Beten gehen viele nach Hause, um bald wiederzukommen, einige bleiben da und der Raum ist bald von lernenden Stimmen angefüllt, auf den Wänden jagen die Schatten nacheinander und die Kerzen zwischen den Fingern flackern. Wenn es da doch einmal einen unserer Nachtbummler in „Europa" geradewegs im Siebenmeilenschritt auf den Marktplatz des Städtchens führte, und er, dem milden Klange der Jeschiwah, diesem eindringlichsten Rufen folgen würde an die Fenster des Lehrhauses und er da diese Gestalten sähe, deren Züge lebendig werden über den Folianten, deren Körper sich erhitzen, deren Mund sich öffnet mit dem Toh Uschma, „komm und hör'". Ob es ihn da nicht ankäme in unwider-

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