Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Die Bestattung des Zedekia, letzten Königs der Juden
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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DIE BESTATTUNG DES ZEDEKIA 35 lichtem flirrenden friedenvollen Stadt. Zu Füßen des Turmes schmiegt sich dienend der Strom. Es schwimmen nebeneinander Dschunken und schmälere Kähne, es blähen sich safranfarbene Segel, es beugt sich der dunkel elfenbeinfarbene Mastbaum wie das schlanke Rückgrat einer schönen weiblichen Gestalt. Rosse und Reiter, Wagen, Karren und Menschen ohne Zahl wogen über die hochgeschwungene Brücke, sie ziehen fort und kommen, begegnen einander in lautlosem Auseinandergleiten tief unten in der hoch gesegneten Stadt Babylon. Hier durch die Höfe des schweigenden kaiserlichen Parkes wird der letzte Fürst des verfluchten Geschlechtes Juda dahingeführt. Ein Knabe trägt sein Haupt und schmeichelt den eingefallenen Wangen in seinen schmächtigen, feinknöcheligen Fingern, der zweite umfaßt die Brust von der rechten Seite her und seine braunen, kindlichen Handgelenke kreuzen sich unter Zedekias weithin strömendem licht aschenfarbenen Bartgelock, der dritte nimmt von untenher die Knie des Toten, die sich im Takte wiegen, der letzte trägt die Füße Zedekias, als der schwächste hat er die leichteste Last, gebeugt schreitet er in des Toten Schatten dahin. Nun legen sie ihn nahe der umfassenden Mauer nieder, milde weht sein Haupthaar im heißen Winde, der von den flachen Dächern und den glatten Wänden widerstrahlt. In den dunklen, offenen Augen des Judenfürsten irrt grüner Glanz von Blättern. Eine Quelle quillt zwischen moosfarbenen Steinen. Sie schöpfen Wasser in hölzerne Kellen, sie waschen ihn rein, sie kühlen ihn zart. Aus dem Gemache eines Dieners bringen sie Salbe auf einem frischen Blatte, dem König Hände und Füße zu salben. Aus der Kammer einer jüdischen Sklavin holen sie ein Totengewand, ein Frauenhemd, lange schon gewebt, grobes Linnen, mit Knoten gewirkt. Senkrecht wallen die Falten herab. Aus den Säumen ihrer schlechten eigenen Kleider reißen sie staubige Fäden, drehen aus Hanf eine graue Krone, die müde Königsstirn in der Verbannung zu krönen. Sie murmeln Gebete, sie stimmen ihre Gesänge an. Nahe den Bäumen, in der feuchten berieselten Erde, unweit der Quelle. Unter schlanken wind weh enden Palmen graben sie mit Spaten eine niedere Grube. „Weinet nicht über die Toten, grämet euch nicht um den, der dahinzog, da er nimmer wiederkommen wird, daß er sein Vaterland wiedersehen möchte. Wir werden nicht wieder hinkommen, werden sterben an dem Ort, wo wir gefangen hingeführt sind, werden dieses Land nimmer sehen. Wir haben unser Haus gebaut mit Sünden, unsere Gemächer mit Unrecht geschmückt.